US-Engagement : Irak bereitet sich auf "kurzfristige Truppenreduzierungen" vor

Die irakische Regierung erwartet nach Bekanntgabe des so genannten Petraeus-Berichts einen allmählichen Rückzug der Amerikaner aus Kampfhandlungen im Land. In den USA wird derweil weiter über die richtige Strategie gestritten.

Bagdad/WashingtonDie irakische Regierung bereitet sich nach dem Petraeus-Bericht auf eine kurzfristige Reduzierung der US-Truppen im Land vor. Der nationale Sicherheitsberater Muaffak el Rubai sagte in Bagdad, sein Land stelle sich auf eine geringere US-Beteiligung an den Kampfhandlungen ein. In den USA dauerte derweil der Streit um die richtige Strategie im Irak an. Der Oberkommandierende der US-Armee im Irak, David Petraeus, hatte zuvor im Kongress Präsident George W. Bush den Rücken gestärkt. Er stellte aber zugleich einen Teilabzug aus dem Irak für Mitte kommenden Jahres in Aussicht.

"Die irakische Regierung bereitet kurzfristig eine Verringerung der Beteiligung amerikanischer Truppen an den Kampfeinsätzen vor", sagte Rubai. Er begrüßte den Bericht von Petraeus und von US-Botschafter Ryan Crocker in Washington. Zugleich warnte der irakische Sicherheitsberater aber vor einem zu schnellen Abzug der internationalen Streitmacht. "Wir wissen, dass wir für eine bestimmte Zeit weiter die Unterstützung der Koalitionstruppen brauchen, um die Sicherheit und Stabilität der Region zu gewährleisten", sagte Rubai. Die eigenen Streitkräfte müssten vor einem Abzug stärker und selbständig werden. Auch Parlaments-Vizepräsident Khalid al Attija lobte Petraeus und US-Botschafter Ryan Crocker. Beide hätten die Schwierigkeiten der irakischen Regierung erkannt.

Petraeus hatte in seinem mit Spannung erwarteten Bericht Bushs Entscheidung vom Januar, die Zahl der Soldaten im Irak von etwa 130.000 auf nun 168.000 aufzustocken, als militärisch richtig bezeichnet: "Die militärischen Ziele der Truppenaufstockung wurden im Großen und Ganzen erfüllt", sagt der General. Das Chaos im Irak sei inzwischen so weit unter Kontrolle, dass die Zahl der Truppen bis Juli 2008 auf den ursprünglichen Stand zurückgeführt werden könne. Einem Abzug der US-Truppen bis Frühjahr 2008, wie ihn viele Mitglieder der demokratischen Mehrheit im Kongress befürworten, erteilten Petraeus und Crocker eine Absage.

"Wir müssen aus dem Irak raus"

Ungeachtet dessen äußerten die Demokraten erneut erhebliche Zweifel am Vorgehen von Präsident Bush. Die Aufstockung der Truppen seit Jahresbeginn habe "einige taktische Erfolge verbucht, aber strategisch ist die Aufstockung gescheitert", sagte der Vorsitzende des Außenausschusses, Tom Lantos. An Petraeus und Crocker gerichtet sagte er: "Die Regierung hat Sie hierher entsandt, um die Mitglieder dieser beiden Ausschüsse zu überzeugen, dass ein Sieg bevorsteht. Mit allem Respekt muss ich sagen, dass ich Ihnen das nicht abkaufe."

"Wir müssen aus dem Irak raus, dem Land zuliebe und unserem Land zuliebe. Es ist Zeit, zu gehen", sagte Lantos weiter. Auch der Chef des Streitkräfteausschusses, Lantos' demokratischer Parteifreund Ike Skelton, zollte Petraeus und Crocker Respekt. "Das sind zwei von Amerikas besten Männern", sagte Skelton. "General Petraeus ist der richtige Mann für die Aufgabe, aber er kommt drei Jahre zu spät und hat 250.000 Soldaten zu wenig." Immer wieder störten Zuschauerproteste die Anhörung im Kongress, die am Dienstag fortgesetzt werden soll. Die Polizei zwang neun Anti-Kriegs-Demonstranten, den Saal zu verlassen. (mit AFP)