US-Hypothekenkrise : Steinbrück zeigt sich "schmallippig" zu Turbulenzen am Finanzmarkt

Der Kurssturz an den asiatischen Börsen wegen der Finanzmarktkrise lässt auch Finanzminister Peer Steinbrück nicht kalt. Er betont die internationalen Absprachen, um weitere Turbulenzen zu vermeiden, ansonsten will er aber "schmallippig" bleiben - zu hoch sei die Nervosität.

Berlin/FrankfurtDie Bundesregierung bemüht sich um eine Beruhigung der von der US-Immobilienkrise verunsicherten Finanzmärkte. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) verwies auf die permanenten Absprachen zwischen den Regierungen und den Zentralbanken weltweit. "Wir sind national und international in engem Kontakt, diese Kontakte waren bisher sehr fruchtbar", sagte Steinbrück auf der Feier zum 50. Geburtstag der Deutschen Bundesbank in Frankfurt. Daher könnten weitere Turbulenzen im Griff gehalten werden. Ein Sondertreffen der führenden Industrienationen G7 wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten werde es nicht geben. Die G7-Finanzminister werden sich zur nächsten Tagung im Oktober in Washington treffen.

Die Bundesregierung sieht in den Turbulenzen nach der US-Immobilienkrise keine Gefahr für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft. "Ungeachtet der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten sind die realwirtschaftlichen Aussichten unverändert positiv", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. "Das ist wichtig für die deutschen Unternehmen, für die Beschäftigten hier und die konjunkturelle Entwicklung."

Regierung: Keine Zusatzmaßnahmen nötig

Die Bundesregierung sehe "im Moment" keinen Bedarf zusätzlicher Maßnahmen oder zusätzlicher Treffen, sagte Steg. Aus Sicht der Bundesregierung sei es nicht erforderlich, angesichts "immer noch geführter Diskussionen" zu Sondertreffen zu kommen, sagte Steg mit Verweis auf die Beratungen der größten Industrienationen beim G8-Gipfel in Heiligendamm. Bis Ende des Jahres hat Deutschland noch die G8-Präsidentschaft inne.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Beratung der G7-Staaten über die Folgen der Krise an den Finanzmärkten gefordert. Er schlug vor, dass die G7-Finanzminister bei ihrer Tagung im Oktober in Washington das Thema auf die Tagesordnung setzen.

Steinbrück schweigt lieber

Zu den Turbulenzen an den Finanzmärkten sagte Steinbrück, er als Finanzminister werde sich dazu nur "schmallippig" äußern: "Jeder Satz, jedes Wort von mir könnte bei der hohen Nervosität und Volatilität der Märkte missinterpretiert werden." Bundesbankpräsident Axel Weber verwies auf den Auftrag der Bundesbank: "Die Notenbanken tun alles, was notwendig ist, um die Preisstabilität zu wahren. Wir werden unser Mandat erfüllen."

Steg begrüßte grundsätzlich für die Bundesregierung entsprechende Überlegungen der EU-Kommission zu Ratingagenturen. Angesichts der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt und der dadurch ausgelösten schweren Finanzmarktturbulenzen schließt die EU-Kommission eine Regulierung dieser Ratingagenturen nicht mehr aus. In Brüssel gebe es den Eindruck, diese internationalen Agenturen zur Bewertung der Kreditwürdigkeit von Schuldnern hätten Investoren zu spät gewarnt, hieß es am Donnerstag aus Kreisen der EU-Kommission. (mit dpa)