US-Truppen im Irak : Mittendrin im Horrorfilm

Im US-Senat ist die Debatte über die Lage im Irak neu entflammt. Der US-Botschafter in Bagdad beschreibt einen Abzug der US-Truppen unterdessen als Horror-Szenarium.

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Irak Was passiert, wenn die US-Truppen abziehen? -Foto: AFP

Washington/BagdadAngesichts der neuen Debatte im US-Senat über die Lage im Irak hat der US-Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker, mit einem drastischen Vergleich vor einem vorzeitigen Truppenrückzug gewarnt. Man könne keine politische Strategie auf Angst aufbauen, sagte Crocker der "New York Times". Er verglich die Lage mit einem Horror-Film, der aber in den USA und im Irak völlig unterschiedlich wahrgenommen werde: "Wir sind hier (im Irak) erst bei der ersten von fünf Filmrollen. Und so hässlich wie die erste ist, die anderen viereinhalb werden noch viel, viel schlimmer."

In den USA scheine es aber, als ob man schon am Ende des Films angekommen sei, sagte Crocker. "Der Abspann kommt, das Licht geht an, und wir verlassen das Kino und machen mit etwas anderem weiter." Die "New York Times" zitierte auch den irakischen Außenminister Hoshyar Zebari mit einer ähnlichen Warnung. Die Gefahren eines Rückzugs der USA reichten vom Bürgerkrieg bis zur Spaltung des Landes und schließe möglicherweise auch regionale Konflikte mit ein.

US-Regierung bittet um Geduld

Angesichts des wachsenden innenpolitischen Drucks warb das Weiße Haus noch einmal um die Geduld der US-Bürger. Erst vor zwei Wochen seien die letzten der rund 30.000 Soldaten zur Truppenverstärkung im Irak eingetroffen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses Tony Snow dem Nachrichtensender CNN. Außerdem habe die irakische Regierung einige Zielvorgaben erfüllt.

Im US-Senat hatte am Montag eine neue Debatte über den Irakkrieg begonnen. Der demokratische Mehrheitsführer Harry Reid hatte dabei US-Präsident George W. Bush vorgeworfen, dass dessen neue Strategie im Irak gescheitert sei. Aus Sicht einiger Demokraten trägt die Präsenz von US-Truppen im Irak nur zur Gewalt bei. Erst ein Abzug werde die streitenden irakischen Politiker der verschiedenen Religionsgruppen zwingen, ihre Fehden beizulegen. (mit dpa)