US-Visite : China: Bush muss Dalai-Lama-Besuch absagen

Die Pläne von US-Präsident Bush, den Dalai Lama im Weißen Haus zu empfangen, sind von China mit ungewöhnlich harten Worten kritisiert worden. Bush habe damit "die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt", hieß es. Der US-Präsident denkt aber scheinbar nicht an eine Absage.

PekingDie chinesische Regierung hat US-Präsident Georg W. Bush zur Absage seines Treffens mit dem Dalai Lama aufgefordert und mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, falls Bush nicht einlenkt. "Wir fordern die US-Seite auf, diese Veranstaltungen abzusagen", sagte der chinesische Außenminister Yang Jiechi. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter sollte am Mittwoch auch den höchsten Zivilorden des US-Kongresses erhalten. Ein ursprünglich für den selben Tag geplantes Treffen mit den USA zum iranischen Atomprogramm in Berlin ist nach Angaben aus US-Regierungskreisen auf Initiative Chinas bereits verschoben worden.

Yang warf den USA eine "Verletzung der Regeln für internationale Beziehungen" vor. "Sie haben die Gefühle des chinesischen Volkes ernsthaft verletzt und in Chinas interne Angelegenheiten eingegriffen", sagte er in Peking vor Journalisten. Das beiderseitige Verhältnis werde durch eine persönliche Zusammenkunft des US-Präsidenten mit dem im Exil lebenden geistlichen Oberhaupt der Tibeter "schwer untergraben", erklärte Außenamtssprecher Liu Jianchao.

Empfang nur in Bushs Privatwohnung

Gut drei Wochen, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Dalai Lama im Kanzleramt empfangen hatte, wollte Bush das geistliche Oberhaupt der Tibeter zuerst in seiner Wohnung im Weißen Haus zu einem privaten Gespräch treffen. Auf einen Empfang im Oval Office verzichtete er. Als Begründung hieß es, der Dalai Lama sei ein religöser und "kein staatlicher Führer". Am Mittwoch wollte Bush auch an der Ehrung im US-Kongress in Washington teilnehmen. Es wäre das erste Mal, dass sich ein US-Präsident bei einer öffentlichen Veranstaltung mit dem Dalai Lama zeigt. Bush hatte den 72-Jährigen seit Beginn seiner Amtszeit 2001 bereits zwei Mal privat getroffen.

Die Auszeichnung im Kongress war nach Angaben eines US-Diplomaten auch Auslöser für die Absage eines ebenfalls für Mittwoch geplanten Treffens der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands zum iranischen Atomprogramm. Die Chinesen hätten entschieden, dass dies nicht der geeignete Tag für die Gespräche sei, sagte der US-Diplomat in Washington. Der chinesische Außenamtssprecher Liu bestritt einen Zusammenhang und erklärte, die Absage sei "aus technischen Gründen" erfolgt. Das Treffen könnte nach Angaben aus US-Diplomatenkreisen möglicherweise in der kommenden Woche stattfinden. Die sechs Regierungsvertreter hatten über eine mögliche Verschärfung der Sanktionen gegen Iran beraten wollen. (mit AFP/dpa)