US-Wahl : Erster gemeinsamer Auftritt von Obama und McCain

Die beiden Kandidaten begrüßten sich herzlich auf der Bühne. Ungewöhnlich offen zeigte sich der Demokrat Barack Obama. Der Republikaner John McCain hingegen gab den starken Mann.

Rick Warren
Shake Hands: Pfarrer Rick Warren nimmt John McCain und Barack Obama in die Arme. -Foto: AFP

Washington/Los AngelesBeim ersten gemeinsamen Auftritt haben sich der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama und sein republikanischer Rivale John McCain nachdrücklich zu christlichen Grundwerten und zum christlichem Glauben bekannt. Während Obama sich aber am Samstagabend (Ortszeit) in der Großkirche Saddleback im Südosten von Los Angeles für ein Abtreibungsrecht der Frauen aussprach, setzte sich McCain entschieden für die "Pro-Leben-Bewegung" ein, die jede Abtreibung strikt ablehnt. "Menschenrechte beginnen bei der Empfängnis", sagte McCain.

Obama und McCain wurden getrennt in jeweils einstündigen Interviewrunden von dem populären Pfarrer und Erfolgsautor Rick Warren befragt. Die beiden Präsidentschaftskandidaten begegneten sich vor den vielen tausend christlichen Besuchern der Kirche nur kurz auf der Bühne, wo sie sich freundlich begrüßten und umarmten.

Obama: "Ich hatte eine schwierige Jugend"

Befragt nach seinen schwersten moralischen Verfehlungen sagte Obama vor den Zuhörern in der Riesenkirche, er habe sich in manchen Zeiten "schwerwiegenden Egoismus" zu Schulden kommen lassen. Außerdem habe er in der Vergangenheit Drogen genommen. "Ich hatte eine schwierige Jugend", führte der Senator von Illinois aus. "Es gab Zeiten, da habe ich mit Drogen experimentiert." Befragt nach der größten moralischen Verfehlung der USA zu seinen Lebzeiten kritisierte Obama, dass sein Land sich immer noch nicht an den Grundsatz Jesu Christi "Was Ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan" halte.

McCain bezeichnete das Scheitern seiner ersten Ehe als sein größtes moralisches Versagen. Er sei damals "eine sehr unvollkommene  Person" gewesen, sagte er. Das größte Versagen der USA bestehe vielleicht darin, "dass wie uns nicht größeren Dingen gewidmet haben als unseren eigenen Interessen".

McCain: "Wir werden Osama bin Laden bis zu den Toren der Hölle jagen"

Obama verteidigte das grundsätzliche Recht der Frauen, in persönlicher Not abzutreiben. Allerdings müsse alles getan werden, um den Frauen andere Optionen als eine Abtreibung zu eröffnen, angefangen von finanzieller Hilfe bis zur Förderung von Adoptionen. Obama kündigte an, dass er als Präsident Steuererhöhungen realisieren möchte. Haushalte, die über mehr als 150.000 Dollar (102.000 Euro) jährlich verfügten, müssten verstärkt zu Kasse gebeten werden. Steuererhöhungen seien notwendig, um die marode Infrastruktur in den USA zu verbessern und um bessere Schulen zu haben.

McCain will als US-Präsident den Terroristenführer Osama bin Laden "bis zu den Toren der Hölle jagen" lassen und ihn seiner Strafe zuführen. McCain nannte den extremistischen Islam als "Herausforderung des 21. Jahrhundert". Er versprach die Terrororganisation Al Quaida zu bekämpfen, bis sie völlig besiegt sei. Die USA müssten überall in der Welt dafür einstehen, dass Freiheit und Menschenrechte verteidigt werden. (ml/dpa/AFP)