US-Wahlauftakt : Obama räumt in Republikaner-Hochburg ab

Die Wahl in den USA hat begonnen. Ein kleiner Skiort im Bundesstaat New Hampshire bescherte Barack Obama seinen ersten Sieg über John McCain. Besonders beunruhigen dürfte den Republikaner, dass in Dixville Notch seit 40 Jahren kein Demokrat mehr gewählt wurde.

Dixville Notch
Dixville Notch ist traditionell die erste Gemeinde in den USA, in der gewählt wird.Foto: dpa

WashingtonDer demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat die 40-jährige Vorherrschaft der Republikaner in Dixville Notch im US-Bundesstaat New Hampshire gebrochen. Kurz nach Öffnung der Wahllokale am Dienstag um Mitternacht votierten 15 Wahlberechtigte in der kleinen Ortschaft unweit der kanadaischen Grenze für Obama. Für seinen republikanischen Rivalen John McCain stimmten sechs Wahlberechtigte. Bisher gelang es allein Hubert Humphrey 1968 als demokratischem Kandidaten, in diesem Wahllokal zu siegen. Traditionell gehen die Wahlberechtigten in den Ortschaften Dixville Notch und Hart's Location bereits in den ersten Minuten des Wahltages an die Urnen.

Voll in Schwung kommt die Präsidentenkür um 12 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) mit der Öffnung der Wahllokale in mehreren Bundesstaaten an der Ostküste. Als erstes endet die Stimmabgabe dann um Mitternacht MEZ im Bundesstaat Indiana und einem Teil Kentuckys, wo Ostküsten-Zeit gilt.

Am Montag hatten der 47-jährige Obama und sein republikanischer Rivale John McCain noch ein Marathon-Programm in mehreren umkämpften Bundesstaaten absolviert. Nach jüngsten Umfragen führte Obama klar vor dem 72-jährigen McCain und hat damit gute Aussichten, als erster Schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

Obamas Oma stirbt einen Tag vor der Wahl

Einen Tag vor der Präsidentenwahl musste Obama eine traurige Nachricht verarbeiten: Nach ihrem Kampf gegen den Krebs starb seine Großmutter Madelyn Dunham am Montag im Alter von 86 Jahren. "Sie war der Grundpfeiler unserer Familie", sagte der demokratische Kandidat. Ihre Stärke und Menschlichkeit seien außergewöhnlich gewesen. Der Senator hatte vor gut einer Woche seinen Wahlkampf unterbrochen, um die schwer kranke Großmutter auf Hawaii zu besuchen.

Obama rief in Jacksonville (Florida) seine Anhänger auf, bis zum allerletzten Moment für den Sieg zu kämpfen: "Wir können uns nicht leisten, Tempo zu verlieren, uns zurückzulehnen oder nachzulassen: Nicht eine Minute, nicht eine Stunde, nicht eine Sekunde." McCain versuchte derweil in Florida, Tennessee, Pennsylvania, Indiana, New Mexico und Nevada, den Trend noch zu seinen Gunsten zu drehen.

Nach einer am letzten Tag vor der Wahl veröffentlichten Umfrage des US-Fernsehsenders CNN führte Obama in den Staaten, die vor vier Jahren der Demokrat John Kerry im Wahlkampf gegen George W. Bush gewonnen hatte. Gleichauf oder sogar vor McCain lag er in etwa einem Dutzend Staaten, in denen Bush vor vier Jahren siegte.

Wahlbehörden verzeichnen Rekord-Registrierung

Nach einem von der Webseite realclearpolitics.com ermittelten Durchschnittswert von einem Dutzend Umfragen trennte Obama von McCain am Montag ein Vorsprung von mehr als sieben Prozentpunkten.

In den Vereinigten Staaten wird der Präsident nicht direkt, sondern durch ein Wahlmännergremium gewählt, das sich aus Vertretern der einzelnen Bundesstaaten zusammensetzt. Diese stimmen traditionell entsprechend dem Ergebnis in ihrem Staaten. Der Gewinner eines Bundesstaates erhält jeweils alle zu vergebenden Wahlmännerstimmen.

Unterdessen verzeichneten die Wahlbehörden eine Rekord-Registrierung. Etwa 153,1 Millionen Amerikaner hätten sich für die Wahl registrieren lassen, berichtete die Zeitung "USA Today" am Montag. Dies seien 73,5 Prozent der Wahlberechtigten. Im Jahr 1964 hatte der bisherige Rekord 72,1 Prozent betragen. Entsprechend erwarteten die Wahlbehörden einen Riesenandrang bei der Wahl. (mpr/dpa/AFP)