Verbraucher : Abseitsfalle für Anleger

Banken und Sparkassen werben mit Geldanlageprodukten für Fußballfans – Experten raten ab

Henrik Mortsiefer

Ginge es nach der Postbank, wäre ein frühes Ausscheiden der deutschen Nationalelf in Portugal ideal. Während Millionen Fußball-Fans Rudi Völlers Mannschaft die Daumen drücken und dem Anpfiff der Europameisterschaft an diesem Samstag entgegen fiebern, wird bei der Postbank kühl gerechnet: Fliegen die Deutschen schon in der Vorrunde raus, spart die Bank mehrere Millionen Euro

Denn: Die Verzinsung des Festgeldkontos „Bonus Volltreffer“, das die Postbank noch bis zum 12. Juni anbietet, ist an den Erfolg der Nationalmannschaft gekoppelt. Je weiter die deutschen Kicker kommen, desto teurer wird es für die Postbank. Mindestens 2500 Euro müssen Sparer für sechs Monate anlegen. Der magere Basiszins von 1,3 Prozent wird in Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg dann aufgestockt. Den angepriesenen „150 Prozent Zinsbonus“ (3,75 Prozent) gibt es allerdings nur für Summen ab 50000 Euro – und wenn die Deutschen tatsächlich Europameister werden. Das freilich gilt nicht nur unter Sportexperten als ziemlich unwahrscheinlich.

Das Thema Fußball elektrisiert auch andere Banken und Sparkassen, die im EM-Jahr Steilvorlagen mit Zins- und Garantieprodukten präsentieren. Schon seit Oktober 2003 vertreibt etwa die Hypo-Vereinsbank eine „FC Bayern Sparkarte“, deren Basiszins von 1,7 Prozent (Anlagesumme: 10000 Euro) steigt, je häufiger der FC bei Heimspielen das Tor trifft. Die Landesbank Hessen-Thüringen hat jüngst eine EM-Anleihe (ISIN-Nummer DE0004106588) aufgelegt („Kicken Sie ihr Geld nach vorn“), die Landesbank Rheinland-Pfalz wirbt mit einer „Fußball Jubiläums-Stufenzinsanleihe“ (DE000LRPOUC1) und die Bremer Landesbank hängt sich an Meister Werder Bremen und verkauft eine „Champions-Anleihe“ (DE0002275419) – „damit der Jubel niemals aufhört.“

Anlegerschützer wollen in diese Begeisterung allerdings nicht einstimmen: „Das sind gute Werbegags, aber keine vernünftigen Sparanlagen“, sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Anleger sollten grundsätzlich zwischen ihrer Fußballbegeisterung und der Geldanlage trennen“, rät Bieler. Für jedes Hobby gebe es heute ein eigenes Finanzprodukt. „Wir raten davon ab.“

Auch die Dresdner Bank erwartet keinen automatischen „Kursschub durch Sportevents“ wie die Fußball-EM oder die Olympischen Spiele. Schon gar nicht sollte man nach Meinung von Analyst Martin Roth so kurz vor der Europameisterschaft in Sportaktien investieren (siehe Kasten). Die Börse nehme Entwicklungen weit vorweg. „Für einen Einstieg ist es zu spät“, sagt der Banker.

Garantierte Zinsen und ein erfolgsabhängiger Bonus versprechen da mehr Sicherheit. Doch fußballbegeisterte Sparer sollten auch hier das Kleingedruckte lesen. „Meist bleibt bei der Verzinsung vor dem Komma nur eine Eins übrig“, warnt Thomas Bieler. Konventionelle Tagesgeldkonten, bei denen die Ersparnisse täglich verfügbar sind, böten häufig mehr. Zum Beispiel das Angebot von WPH Driver&Bengsch (siehe Tabelle) mit einer jährlichen Verzinsung von 3,5 Prozent für eine Anlagesumme ab 5000 Euro.

Die als Fußball-Anleihen gepriesenen Produkte sind im Übrigen häufig nur geschickt konstruierte Mogelpackungen. „Mit Fußball hat unsere Werder-Anleihe streng genommen nichts zu tun“, räumt denn auch eine Sprecherin der Bremer Landesbank ein. Gekoppelt ist das Zinspapier an ein gänzlich unsportliches Event: die Entwicklung des Aktienindex Dow Jones Euro Stoxx. An dessen – im besten Falle – Wertsteigerung partizipiert der Anleger zu 50 Prozent. Fallen die Aktien bleibt nur ein dürftiger Garantiezins von 1,5 Prozent. Dem Anleihezeichner bleibt zusätzlich ein „besonderer Kick“: Er darf sich eine von Klaus Allofs, Thomas Schaaf und Frank Baumann unterschriebene „Werder-Erinnerungsurkunde“ an die Wand hängen.

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