Agrar-Streik : Milchbauern liefern keine Milch mehr

Die deutschen Milchbauern machen ernst: Mit einem Lieferboykott protestieren sie seit heute gegen die aus ihrer Sicht zu niedrigen Milchpreise. Wie lange keine Milch mehr geliefert wird, ist unklar. Es kann deshalb in den kommenden Tagen zu Engpässen im Handel kommen.

Milchkuh
Die deutschen Milchbauern machen ernst: Mit einem Lieferboykott protestieren sie gegen die aus ihrer Sicht zu niedrigen...Foto: dpa

Berlin/FreisingDeutschlands Milchbauern haben die Nase voll. Sie wollen ihre Milch nicht länger unter Wert verkaufen. "Wir sind entschlossen erst dann wieder zu liefern, wenn wir die Zusage erhalten, dass kostendeckende Preise bezahlt werden", erklärt Romuald Schaber, der Vorsitzende des Verbands der Milchbauern (VDM).

Der Verband fordert von den Molkereien einen Milchpreis von 40 Cent pro Liter, statt durchschnittlich 27 Cent. Den Bauern machen auch gestiegene Energie- und Futterpreise zu schaffen. Am Montag hatte sich Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) mit den Milchbauern solidarisch erklärt. Die Forderung nach 40 Cent je Liter sei gerechtfertigt.

Beteiligung ist "überwältigendend"

Schaber sprach von einer bundesweit "überwältigenden Beteiligung" an den Protesten, in einigen Regionen beteiligten sich rund 80 Prozent der Milchbauern. "Wir richten uns mal auf eine Woche bis zehn Tage ein", sagte der Verbandsvorsitzende. Da Deutschland der größte Milchproduzent in Europa sei, könnten Kunden schon bald vor leeren Regalen stehen, so Schaber.

Supermarktketten sind schuld

Nach Ansicht des Bauernverbandes sind die großen Supermarktsketten für die niedrigen Milchpreise verantwortlich. "Der Lebensmitteleinzelhandel hat die Molkereien an die Wand gedrückt und extreme Nachlässe erreicht", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner.

"Insgesamt stehen der zersplitterten Angebotsstruktur von über 100.000 Milchbauern in Deutschland und über 100 Marktmolkereien im Grunde nur drei, vier ganz große Lebensmitteleinzelhändler gegenüber, die mit uns Katz und Maus spielen."

Sonnleitner warb zudem um Verständnis für den am Dienstag begonnenen Lieferboykott: "Der Milchpreis ist miserabel, die Kosten sind explodiert, die Milchbauern haben Existenzsorgen." (cp/dpa)

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