Verbraucher : Aktienanlage mit Sicherheitsnetz

An den Börsen drohen Kursrückgänge – Wie sich Anleger vor Verlusten schützen können

Veronika Csizi

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, seit der Dax nach dreijähriger Baisse bei 2188 Punkten aufsetzte. Drei Jahre Hausse oder sensationelle 176 Prozent Plus bei den 30 deutschen Standardwerten liegen seither hinter uns. Nun, über der Schwelle von 6000 Punkten, wird die Luft langsam wieder dünner. Verkaufen oder halten, fragen sich viele Anleger.

„Die Zeit ist reif für eine Konsolidierung“, ist sich Frank Schallenberger sicher. Der Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg steht mit dieser Ansicht nicht alleine da. Fast alle großen Banken rechnen mit einer Korrektur oder zumindest mit einer Sommerflaute.

„Ein Rückgang bis auf 5700 oder 5600 Punkte wäre nichts Ungewöhnliches“, sagt Günter Senftleben, Aktienstratege bei der Bankgesellschaft Berlin. Steigende Zinsen in Europa, aber auch der Ölpreis und die zunehmende Dollarschwäche sprächen für ein paar Prozent Abschlag. Denkbar sei auch, so Senftleben, dass der eine oder andere enttäuschende Geschäftsbericht in der gerade laufenden Quartalssaison den Stein ins Rollen bringe. Sollte die Situation in Iran eskalieren, dann seien sogar schnell 15 Prozent Minus beim Dax drin. Um rund 900 Punkte ginge es dann abwärts. Auch die Commerzbank prognostiziert eine bevorstehende Korrektur. „Der Dax kann dabei 300 oder 400 Punkte abgeben, ohne dass sich an der grundsätzlich positiven Stimmung etwas ändert“, ist Christoph Geyer, Wertpapierstratege im Privatkundengeschäft der Bank, überzeugt.

Was also tun, um unsichere Zeiten zu überbrücken? Wer sein Depot vor Kursverlusten schützen möchte, hat im Prinzip zwei Möglichkeiten:

Die kostengünstigste und einfachste Methode sind so genannte Stopp-Loss- Aufträge. Dabei bestimmt der Anleger einen Kurs, zu dem eine Aktie verkauft werden soll, und erteilt seiner Bank einen entsprechenden regulären Verkaufsauftrag. Sinkt die Aktie unter den festgelegten Kurs, dann verkauft die Bank das Papier automatisch zum nächstmöglichen Kurs. Hier liegt auch der Haken: Bricht eine Aktie, etwa nach einem überraschend negativen Geschäftsbericht, dramatisch ein, dann kann der Anleger sein Investment auch zu einem deutlich niedrigeren Kurs loswerden als erhofft. Denn verkauft wird eben nur zur nächsten Kursfeststellung nach Erreichen der Stopp-Loss- Schwelle.

Aktuelles Beispiel Microsoft: Die Aktie schloss am 27. April vor dem Quartalsbericht bei 27,25 Dollar, eröffnete am nächsten Morgen nach schlechten Zahlen aber bei 24,24 Dollar. Selbst wer ein Stopp-Loss bei 25,90 oder 26 Dollar platziert hatte, kam nur zu etwas mehr als über 24 Dollar aus der Aktie. Und: Setzt der Anleger den Stopp-Kurs zu engmaschig, dann kann er auch durch heftigere Kursschwankungen unglücklich „ausgestoppt“ werden. Im ungünstigsten Fall wird er aus dem Markt gekippt – und die Aktie steigt dann wieder. Senftleben: „Man sollte das Limit also nicht zu knapp setzen.“ Wer diese Nachteile in Kauf nimmt, kann seine Aktien günstig gegen längerfristige Trendwechsel absichern und die Stopp-Marken immer wieder neu an den Markt anpassen. Die meisten Banken verlangen dafür nur ein paar Euro pro Monat und Titel.

Eine kompliziertere, etwas teurere, aber dafür sichere Absicherungsmethode ist der Kauf von Put-Optionen, Optionsscheinen oder Bären-Zertifikaten. Dabei kauft der Anleger Scheine, die bei fallenden Kursen steigen und damit die Verluste der Aktien neutralisieren. Aktienstratege Senftleben rät den Anlegern, sich zunächst anzusehen, wie das Portfolio diversifiziert ist. Hält der Anleger also beispielsweise 40 Prozent in Dax-Werten, 30 Prozent in europäischen Aktien und 30 in US-Papieren, dann kauft er am besten drei verschiedene Scheine auf die jeweils passenden Indizes, also den Dax, den Euro Stoxx und den S & P 500. Zur Absicherung der Dax-Werte empfiehlt Senftleben beispielsweise ein Put-Zertifikat der Bankgesellschaft, das ohne Laufzeitbegrenzung und Aufgeld arbeitet. Wie viele Scheine man kaufen müsse, um etwa 10 000 Euro in Dax-Werten abzusichern, zeige ein Rechenbeispiel: Bei 6000 Dax-Punkten koste das Zertifikat circa zehn Euro. Falle der Dax auf 5800 oder um 3,3 Prozent, dann steige es auf etwa zwölf Euro, also um 20 Prozent beziehungsweise mit dem etwa sechsfachen Hebel. Um einen 3,3-prozentigen Verlust von 10 000 Euro, das sind 330 Euro, abzufedern, benötige man also 165 Scheine. Steige der Dax dagegen weiter, dann verliere der Schein zwar an Wert, dafür gewinne aber das Depot.

Günstiger, aber noch komplizierter sind echte Optionen oder Optionsscheine mit begrenzter Laufzeit und Aufgeld. Hier sei die Absicherung jeder einzelnen Aktie mit einem passenden Schein sinnvoll, sagt Christoph Geyer von der Commerzbank. Wer beispielsweise Siemens-Aktien habe, könne einen Schein kaufen, der „weit aus dem Geld notiert“, dessen Basispreis also noch deutlich unter dem aktuellen Kursniveau liegt. Die Kaufkosten machen dann oft nur ein paar Cent je Stück aus. Allerdings ist das Investment dann auch erst abgesichert, wenn die Aktie den Basispreis des Optionsscheins erreicht. Ein Siemens-Anleger kann also einen Put mit Basis nahe dem aktuellen Niveau von knapp 75 Euro kaufen und sofort quasi Vollkasko versichert sein – oder beispielsweise einen Put mit Basis 65. Die Verluste bis dahin trägt er dann selbst. Der Wermutstropfen: Steigt die Aktie dagegen weiter, dann verliert der Schein immer schneller an Wert – bis zum Totalverlust, wenn die Aktie bis zum Verfallstag immer noch oder gar deutlich über dem Basiswert des Optionsscheins notiert.

Da die Suche nach der passenden Absicherung nicht einfach ist, rät der Commerzbank-Profi den Anlegern, sich bei ihrer Bank beraten zu lassen. Geyer: „Die Größenordnung muss aber stimmen. Sinn macht ein solches Hedging nur, wenn jede Depotposition nicht unter 15 000 Euro liegt“. Insgesamt sollten Sicherungsgeschäfte sehr sparsam eingesetzt werden, rät Günter Senftleben. Wer an schwächere Dax-Tage glaube, könne auch Gewinne mitnehmen und das Geld bis zum Herbst „parken“.

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