Aktion Mehr Netto : Futter fürs Sparschwein

Mit einer Telefonaktion endet unsere große Serie "Aktion mehr netto": Die Fragen der Leser und die Antworten der Experten noch einmal zusammengefasst.

ServiceIn unserer siebenteiligen Serie "Aktion mehr netto" haben wir Ihnen gesagt, wie Sie im Alltag Tausende von Euro sparen können. Für drei Modellhaushalte hatten wir Experten gebeten, konkret nachzurechnen. Dabei kam Familie Kron auf ein Sparpotenzial von über 6800 Euro im Jahr, das Ehepaar Casper auf 4400 Euro und Frau Dill könnte im Jahr über 2300 Euro sparen. Zum Abschluss unserer Serie haben wir Ihnen, den Tagesspiegel-Lesern, die Gelegenheit gegeben, unsere Experten direkt zu befragen. Lesen Sie, was Dörte Elß (Gesundheit) und Rüdiger Strichau (Versicherungen) von der Verbraucherzentrale Berlin, Dagmar Ginzel (Energie) vom Internetportal Verivox und Bettina Seute (Telekommunikation) vom Internetberatungsunternehmen Teltarif den Anrufern empfohlen haben.


ENERGIE

Ich bezahle derzeit bei Vattenfall 537 Euro im Jahr für meinen Strom. Ich habe „Berlin Klassik“ und verbrauche 2500 kw/H. Wo bekomme ich den Strom günstiger?

Wenn Sie bereit sind, Vorkasse zu leisten, können Sie zu Flexstrom gehen. Dort müssten Sie 415 Euro im Jahr zahlen. Der günstigste Tarif ohne Vorkasse kommt von Vattenfall. Bei „Berlin Easy“ lägen die Stromkosten im Jahr bei 473,20 Euro.

Was halten Sie von Vorkasse?

Viele Verbraucher möchten keine Tarife mit Vorkasse, bei denen sie ihren Strom bis zu ein Jahr im voraus bezahlen. Sie befürchten, solche Angebote seien per se unseriös. Doch das stimmt nicht. Viele alt eingesessene Stadtwerke arbeiten mit Vorkasse. Und: Den Strom gibt es mit Vorkasse günstiger.

TELEKOMMUNIKATION

Ich habe bei Alice eine Doppelflat für Internet und Telefon. Jetzt gibt es den gleichen Tarif für Neukunden zehn Euro billiger. Kann ich das auch haben?

Hinter Alice steht die Firma Hansenet. Diese zeichnet sich durch außergewöhnlich kurze Laufzeiten von nur einem Monat aus. Die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen zum Monatsende. Danach können Sie in den neuen Tarif wechseln. Bei anderen Anbietern sind die Laufzeiten oft deutlich länger und liegen zwischen zwölf und 24 Monaten. Bestandskunden kommen in aller Regel nicht in den Genuss von Sondertarifen für Neukunden.

Ich habe ein Prepaid-Handy von Tchibo. Das arbeitet im 02-Netz. Leider habe ich oft keinen Empfang. Gibt es auch günstige Angebote im D-1-Netz?

Es gibt für alle Netze günstige Prepaid-Handys. Im D-1-Netz sind das unter anderem das "Pennymobile" oder "Ja! Mobil" (Rewe).

Ich bin Ärztin in einer Gemeinschaftspraxis und habe den T-Mobile-Tarif „Relax 200“. Dabei habe ich eine Home-Zone-Nummer fürs Festnetz. Ich habe jetzt in der Tagesspiegel-Serie gelesen, dass Prepaid-Handys oft günstiger sind. Soll ich wechseln? Die Telekom hat mir jetzt allerdings fürs Handy eine günstige Partnerkarte für 9,95 Euro im Monat angeboten.

Prepaid-Handys sind für viele Verbraucher eine günstige Alternative, in Ihrem Fall aber womöglich nicht. Denn die Prepaid-Lösung kommt für Geschäftskunden meist nicht in Frage. Außerdem ist nicht immer gewährleistet, dass man seine Rufnummer bei einem Anbieterwechsel mitnehmen kann. Das wäre für Sie als Ärztin aber enorm wichtig. Das von Ihnen angesprochene Angebot bezüglich der Partnerkarte ist die "Combi Card Max M". Die kostet normalerweise 19,95 Euro im Monat, insofern ist das aktuelle Angebot wirklich günstig.

VERSICHERUNGEN

Meine Tochter ist 28 Jahre alt und hat so gut wie keine Versicherung. Welche Policen braucht sie?

Sie braucht eine Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Hausratversicherung, falls die Einrichtung nicht ganz billig ist.

Wie finde ich die billigste Autoversicherung?

In der Autoversicherung werden in jedem Herbst die Karten neu gemischt. Dann kommen die Versicherer mit ihren neuen Tarifen. Diese gelten aber immer nur für Neukunden. Sie haben die Wahl, jedes Jahr zum günstigsten Anbieter zu wechseln. Sie können aber auch Ihrem Versicherer damit drohen, notfalls zu kündigen, wenn Sie nicht die günstigen Neukundenangebote bekommen. Wem das alles zu stressig ist, der sollte sich einen grundsätzlich günstigen Versicherer suchen und bei ihm bleiben. Wer das ist, erfahren Sie bei den Verbraucherzentralen.

Ich bin 69 Jahre alt. Soll ich noch eine private Pflegeversicherung abschließen?

Die Beiträge sind in Ihrem Alter sehr hoch und liegen – je nach Tarif und Anbieter – zwischen 50 und 100 Euro im Monat.

Ich habe jetzt meine Betriebsrente bekommen und habe plötzlich hohe Abzüge. An wen kann ich mich wenden?

Die hohen Abzüge dürften die Beiträge an die Krankenkasse sein. Seit einigen Jahren müssen Betriebsrentner auf ihre Zusatzrente den vollen Krankenkassenbeitrag zahlen. Wenn es darum geht, ob die Betriebsrente richtig kalkuliert ist, können Sie sich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wenden. Die Bafin hat Einblick in die Geschäftszahlen der Versicherer und erteilt kostenlos Auskunft.

Ich möchte für meine Enkel eine Ausbildungsversicherung abschließen. Ist das sinnvoll?

Nein. Eine Ausbildungsversicherung ist eine Lebensversicherung mit allen Nachteilen, die eine solche Versicherung hat – hohe Kosten, geringe Flexibilität. Besser sind festverzinsliche Wertpapiere oder ein Sparvertrag.

GESUNDHEIT

Kann ich bei der Wahl meiner Krankenkasse ausschließlich nach der Beitragshöhe gehen?

Nein, Sie müssen Preis und Leistung vergleichen. Wenn Ihnen wichtig ist, dass eine Geschäftsstelle vor Ort ist, müssen Sie zu einer entsprechenden Kasse gehen – diese verlangt aber höhere Beiträge als eine Kasse, die nur über Internet oder Telefon zu erreichen ist. Außerdem müssen Sie bei der Auswahl gezielt auf die Punkte achten, die Ihnen wichtig sind: Modellvorhaben, Bonusmodelle oder Wahltarife. Wichtig kann auch sein, wann die Kasse eine Haushaltshilfe zahlt. Reicht schon eine ambulante Behandlung der Mutter oder muss diese im Krankenhaus sein, damit die Kasse die Kosten für eine Betreuung der Kinder übernimmt?

Ich brauche orthopädische Einlagen. Warum muss ich dafür so viel Geld zuzahlen?

Für Heilmittel – dazu zählen auch die Einlagen – zahlen die Kassen Festbeträge. Zu diesen Festbeträgen müssen die Versicherten zehn Prozent zuzahlen, mindestens fünf Euro, maximal zehn Euro. Allerdings gibt es Hersteller, die höhere Preise als die Festpreise verlangen. Wenn das so ist, müssen sie das dem Kunden jedoch vorher deutlich sagen. Sollten Sie Schwierigkeiten haben, einen Anbieter zu finden, der zum Festpreis arbeitet, sollten Sie sich an Ihre Kasse wenden. Viele Kassen haben Listen, auf denen die entsprechenden Adressen stehen.

Kann ich meine Behandlungsunterlagen beim Arzt einsehen?

Ja, Sie haben ein Einsichtsrecht und können verlangen, dass der Arzt Ihnen Fotokopien aushändigt. Einen Musterbrief finden Sie auf der Homepage der Verbraucherzentrale Berlin (www.verbraucherzentrale-berlin.de). Auch wenn der Medizinische Dienst Ihren Antrag auf Einstufung in eine bestimmte Pflegestufe ablehnt, haben Sie Anspruch auf eine Kopie des Gutachtens.

Bearbeitet von Heike Jahberg

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