Verbraucher : Am besten in die Tüte

Klassische Bodenstaubsauger mit Beuteln sind besser als Geräte mit eingebauten Boxen. Auf die Wattleistung kommt es weniger an

Henning Zander

Der Engländer Hubert Cecil Booth saß eines Tages im Jahre 1901 in einem Zug und beobachtete einen Schaffner dabei, wie er mit einem Blasebalg den Staub von den Sitzen pustete. Aber warum pusten, wenn sich der Staub dadurch doch nur im Abteil verteilte? Booth arbeitete daraufhin an einer Maschine, die den Staub aufsaugte. Leider brachte ihm seine Idee keinen wirtschaftlichen Erfolg.

Heute stößt es schon fast auf Unverständnis, wenn jemand zu Besen und Kehrblech greift. Denn immerhin stehen Staubsauger mit mehreren tausend Watt Leistung bereit. Doch allein die Power macht noch keine Leistung, wie aus dem Test der Stiftung Warentest hervorgeht. „Wichtig ist die Gesamtkonstruktion“, sagt Jörg Siebolds von der Stiftung Warentest. „Ein Auto mit starkem Motor und schlechten Reifen kann ja auch nicht die Leistung auf die Straße bringen, die man von ihm erwartet.“ Zu beachten seien die Konstruktion der Düse und der Luftverlauf im Gerät. Auch der eingebaute Filter spiele für die Saugleistung eine entscheidende Rolle.

Im Test waren 17 Bodenstaubsauger der Preisklasse bis etwa 300 Euro. Getestet wurden die Saugleistung, die Handhabung und die Haltbarkeit. Auch Umwelteigenschaften wie Energieverbrauch oder Lautstärke spielten bei der Bewertung eine große Rolle. Die überwiegende Anzahl der Staubsauger wurde mit der Note „gut“ bewertet. Dabei machte es für die Saugeigenschaften fast keinen Unterschied, mit welchen technischen Finessen die Geräte aufwarteten. Modelle mit Bürstenvorsatz schlossen besser ab als die mit Standarddüse, jedoch nur, wenn die rotierenden Bürsten von einem Elektromotor angetrieben wurden. Sie lockern den Schmutz auf Teppich und Hartboden und lassen auch Haare und Flusen seltener zurück. Der erfolgreichste Staubsauger war der Siemens „VS07G1840“ mit Elektrobürste für 309 Euro. Nach dem Urteil der Tester überzeugte er mit hervorragenden Saugergebnissen. Aber auch ohne Elektrobürste war er nur unwesentlich schlechter, dafür kostet er mit 162 Euro fast nur noch die Hälfte.

Wegen der hohen Kosten im Nachkauf bieten die Hersteller von Staubsaugern immer öfter Alternativen zum herkömmlichen Beutel an. Die Warentester prüften intensiv die Vorteile der verschiedenen Techniken. Insbesondere betrachteten sie das Modell „Classic M3050“ von „Dirt Devil“, das sowohl mit einem herkömmlichen Staubbeutel zu haben ist als auch mit einer so genannten B-Box. Damit entfällt der Beutelnachkauf. Allerdings saugt das Gerät mit der B-Box wesentlich schlechter als mit Beutel, was nach Ansicht der Tester an einer besseren Luftströmung liegen kann. Auch LG Electronics und „Panasonic MC-E8024“ bieten Lösungen ohne Filter. Beide arbeiten mit dem Zyklonsystem, bei dem der Schmutz durch Luftverwirbelungen von der eingezogenen Luft getrennt wird. Keines der Geräte konnte die Tester hygienisch überzeugen, denn der Staub kann ohne Beutel leichter entweichen.

Allergiker gehören zu einer wichtigen Zielgruppe der Staubsaugerhersteller. Denn Staubfreiheit ist für sie besonders wichtig. Mit besonderen Wasserfiltern versprechen sie eine bessere Raumluft, indem Allergieträger wie Pollen und Milben im Wasser gebunden werden sollen. Tatsächlich liefern sie gute Ergebnisse; doch auch die herkömmlichen Staubsauger genügten den Ansprüchen der Tester. Bis auf einen Staubsauger der Marke Coop/Satrap, der nur in der Schweiz erhältlich ist, hielten alle den Staub zur vollsten Zufriedenheit zurück.

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