Verbraucher : An Klaus Martini Global Chief Investment Officer Privatkunden Deutsche Bank

An der Börse ist Geduld gefragt

An Klaus Martini

Die Kapitalmärkte erwarten steigende Zinsen. Wie soll ich mich als Anleger darauf einstellen?

Spätestens seit der letzten Fed-Sitzung vom 4. Mai dürfte es den Investoren klar sein, dass die Leitzinsen in den USA angehoben werden – wahrscheinlich schon auf der nächsten Sitzung am 29./30. Juni. Marktreaktionen auf dieses Szenario konnten schon in den vergangenen Wochen beobachtet werden. Die Renditen der festverzinslichen Anleihen haben sich von ihrem Tiefstand gelöst und sind nach oben geschossen. Dem gegenüber haben die globalen Aktienmärkte in Erwartung steigender Zinsen seit April deutlich nachgegeben.

In der Vergangenheit war ein guter Gleichlauf zwischen den Notenbankzinsen in den USA und Euroland beziehungsweise Deutschland zu beobachten. Dabei verliefen die Auswirkungen höherer US-Leitzinsen auf die deutschen Staatsanleihen bislang immer erwartungsgemäß, das heißt eine Zinserhöhung führt zu tendenziell ansteigenden Renditen. Dabei sollten die US-Renditen insgesamt stärker steigen als in Euroland , dass sich der Renditeabstand also vergrößert.

Für die Entwicklung des deutschen Aktienmarkts lässt sich für die Vergangenheit feststellen, dass höhere US-Leitzinsen in der Regel nicht zu fallenden Kursen geführt haben. Zusammenfassend kann man sagen, dass sich der Ausverkauf der Geld-, Renten- und Aktienmärkte seit Anfang April nicht in der gleichen Dynamik fortsetzen wird. Die Rentenmärkte dürften insofern auch ihren Zinsanstieg seit April in den nächsten Monaten nur mit deutlich geringerem Tempo fortsetzen. Für die Aktienmärkte gilt analog, dass nach den jüngsten Kursverlusten eine Bodenbildung nahe liegt, von der aus dann im zweiten Halbjahr eine moderate Erholung wahrscheinlich ist. Voraussetzung hierfür sind allerdings eine Beruhigung der geopolitischen Lage, nachgebende Ölpreisnotierungen und weiterhin eine solide Gewinn- und Wachstumsentwicklung in den wichtigsten Volkswirtschaften. Hiervon gehen wir trotz der Zinswende der Fed für 2004 und 2005 aus.

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