Verbraucher : an Klaus Schneider Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger

Bei Börsengängen hellhörig sein

an Klaus Schneider

Die Zahl der Börsengänge in Deutschland ist wieder gestiegen. Zugleich wird Kritik daran laut, dass Beteiligungsgesellschaften und Altaktionäre Kasse machen – und Privatanleger zu kurz kommen. Ist die Kritik berechtigt? Worauf sollten Anleger achten?

Im Jahr 2006 sind bereits neun Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größe in Deutschland an die Börse gebracht worden. Dabei war die Nachfrage häufig so hoch, dass die Aktien am oberen Rand der Preisspanne platziert werden konnten. Einige Unternehmen bescherten ihren Zeichnern auch anschließend weiter kräftige Gewinne (wie zuletzt Wacker), aber auch deutliche Verluste (wie bei Magix oder Primion).

Ein Börsengang sollte in erster Linie dazu dienen, dem Unternehmen über den Zugang zum Kapitalmarkt neues Kapital für die Expansion zu verschaffen. Natürlich gibt es auch ein berechtigtes Interesse von Altaktionären sich über den Börsengang von Aktien zu trennen. Aber wenn beim Börsengang 50 Prozent oder mehr des eingeworbenen Kapitals an die Altaktionäre gehen, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie primär Kasse machen wollen.

Hier sollten Privataktionäre hellhörig werden. Denn warum verkaufen Altaktionäre in großem Umfang ihre Aktien, wenn diese ein so großes Potenzial besitzen, wie auf den Unternehmenspräsentationen versprochen wird? In den oben erwähnten Fällen hat die Börse das übermäßige Kassemachen der Altaktionäre mit entsprechenden Kursverlusten bestraft.

Aber auch im Fall des Börsengangs von Wacker ging ein großer Teil des Erlöses an die Altaktionäre, die damit unter anderem Schulden tilgten. Aber hier haben die Branche, die Wachstumsaussichten und nicht zuletzt das vertrauenerweckende Umfeld eines erfolgreichen Familienunternehmens die Anleger überzeugt.

Privatanleger sollten also nicht nur den im Unternehmen verbleibenden Erlös betrachten, sondern auch auf eine angemessene Emissionsbewertung, attraktive Zukunftsaussichten und nicht zuletzt ein gutes und glaubwürdiges Management achten. Wichtig für Anleger ist schließlich noch, wie lange die Altaktionäre sich verpflichten, keine weiteren Aktien abzugeben (Lock-up-Frist). Als Faustregel gilt dabei: je länger, desto besser.

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