Verbraucher : an Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Bei neuen Aktien zählt der Preis

an Malte Diesselhorst

Der Abo-Sender Premiere geht am 9. März an die Börse. Auch andere Unternehmen sind auf dem Weg aufs Parkett. Was sollten Anleger bei Neuemissionen beachten?

In der Boomphase des Neuen Marktes wurden fast alle Neuemissionen blind gezeichnet. Danach fanden Börsengänge in Deutschland für mehr als zwei Jahre gar nicht statt. Heute stellt sich die Frage der Beurteilung neuer Firmen am Aktienmarkt wieder. Dabei wird eher die Flut statt ein Mangel an Informationen zum Problem. Nicht nur der Emissionsprospekt, auch Analysteneinschätzungen, Presseberichte, Internetforen und Anlageempfehlungen der Banken stehen zur Verfügung. Aber worauf sollte man achten?

Kernfrage ist die Angemessenheit des Emissionspreises. Sie kann vor allem durch den Vergleich mit börsennotierten Wettbewerbern beurteilt werden. Anhaltspunkt ist etwa das KBV, das Verhältnis des Emissionskurses zum Buchwert des Unternehmens. Es sollte bei einem Börsenkandidaten günstiger sein als bei den bereits etablierten Wettbewerbern.

Wesentlich ist auch die Ertragskraft der Gesellschaft, die sich aus den Abschlüssen der Vorjahre ermitteln lässt. Hat ein Unternehmen über mehrere Jahre vor dem Börsengang Gewinne erwirtschaftet, so bietet es für die Zukunft mehr Sicherheit als ein Wachstumsunternehmen, das die Gewinnzone noch erreichen muss. Marktführerschaft ist ein Indiz für unternehmerischen Erfolg. Der Markt, in dem das Unternehmen tätig ist, und seine Position in diesem Markt sollten im Emissionsprospekt ausführlich und nachvollziehbar erläutert sein.

Aufmerksamkeit sollte der Anleger der Aktionärsstruktur vor und nach dem Börsengang schenken. Ein gutes Zeichen ist es, wenn Gründer und Management am Unternehmen beteiligt bleiben. Das sollte auch nach dem Börsengang durch Lock-up-Fristen, also die Verpflichtung der Altaktionäre zum Halten der Aktien abgesichert sein. Der Emissionserlös sollte nicht an die Altaktionäre abfließen, sondern zur Schuldentilgung und für Investitionen verwendet werden. Die Wahl des Börsensegments, in dem die Aktien gehandelt werden, bestimmt schließlich die Anforderungen an die spätere Berichterstattung. Eine Notierung im Prime Standard bedeutet mehr Transparenz und mehr Interesse institutioneller Anleger.

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