Verbraucher : an Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Transparenz verpflichtet

an Malte Diesselhorst

Der Gesetzgeber will die Vorstände börsennotierter Unternehmen zur individuellen Offenlegung der Vorstandsgehälter zwingen. Was haben Anleger von der Transparenz und wo muss die Bundesjustizministerin noch nachbessern?

In der Diskussion um die Standards guter Unternehmensführung bekam sie besondere Aufmerksamkeit: die Forderung nach Veröffentlichung der Vergütung für einzelne Vorstandsmitglieder börsennotierter Aktiengesellschaften. Während die Unternehmen in anderen Ländern, etwa Großbritannien, durch gesetzliche Regelungen dazu verpflichtet sind, wurde in Deutschland dem Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtung der Vorzug gegeben. Der deutsche Corporate Governance Kodex fordert zwar die Veröffentlichung der Einzelbezüge, doch hatte die Nichteinhaltung bisher keine Konsequenzen.

Das führte dazu, dass die überwiegende Zahl der börsennotierten Unternehmen bisher von der Kodexempfehlung abweicht und nur die Gesamtsumme der Vorstandsgehälter veröffentlicht. Selbst im Dax haben viele Unternehmen bisher die Empfehlung nicht berücksichtigt. Jetzt hat das Bundesjustizministerium reagiert und einen Gesetzentwurf vorgelegt. Aus der freiwilligen Selbstverpflichtung soll eine gesetzliche Pflicht werden.

Für Anleger und kodextreue Gesellschaften hat das den Vorteil, dass sich die Verweigerer in Zukunft der Veröffentlichungspflicht nicht mehr entziehen können. Damit wird eine vergleichbare Informationslage für alle börsennotierten Gesellschaften geschaffen. Die Beurteilung der Angemessenheit der Vergütung im Verhältnis zur Leistung der Manager wird erleichtert. Schwachpunkt der Regelung ist, dass die Hauptversammlung mit 75 Prozent Zustimmung auf die Veröffentlichung der individualisierten Bezüge verzichten kann. Für Gesellschaften mit wenigen freien Aktionären öffnet sich hier ein Schlupfloch. Außerdem könnte die Vergleichbarkeit darunter leiden, dass auf eine Standardisierung der Angaben über die Vergütung verzichtet wird.

Letztendlich wird sich aber wohl zeigen, dass gerade durch einen selbstverständlichen Umgang mit der Veröffentlichung der Vorstandsbezüge einer möglichen Neiddebatte der Wind aus den Segeln genommen wird.

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