Verbraucher : an Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Vorsicht bei großen Versprechen

an Malte Diesselhorst

Mir ist eine atypische stille Beteiligung angeboten worden. Was muss ich beachten?

20 bis 40 Milliarden Euro werden etwa jährlich auf dem so genannten Grauen Kapitalmarkt angelegt. Und trotz vieler Warnungen können viele vor allem bei einer Anlageform oft nicht widerstehen: der atypisch stillen Beteiligung. Das Versprechen einer hohen und sicheren Rendite, aber auch steuerliche Vorteile und die diskrete Handhabung der Beteiligung werden von Vermittlern angepriesen. Aber wie bei allen auf den ersten Blick verlockenden Angeboten im Grauen Kapitalmarkt ist hier äußerste Vorsicht geboten.

Oft ist bereits das Geschäft des Unternehmens, an dem sich der Anleger beteiligen soll, kaum nachvollziehbar. Von der Beteiligung an den Gewinnen eines Internet-Spielkasinos bis zu Auslandsimmobilien reichen die Angebote. Doch für atypisch stille Beteiligungen gibt es praktisch keine staatliche Kontrolle. So haben bisher gerade unseriöse Anbieter diese Rechtsform der Beteiligung gewählt. Hinweise auf ein zweifelhaftes Angebot sind zum Beispiel die aggressive Ansprache des Anlegers, oft über Telefon, ein Geschäftssitz des Anbieters im Ausland, fehlende Prospektunterlagen sowie ein hohes, meist zweistelliges Renditeversprechen, vielfach verbunden mit der Aussicht auf Steuervorteile. Anleger, die eine atypisch stille Beteiligung trotz allem erwägen, sollten die Seriosität des Anbieters klären, etwa mit Hilfe eines Verbraucherschutzverbands. Weiterhin sollte ein geprüfter Prospekt vorliegen, der Chancen und Risiken der Beteiligung vollständig und richtig darstellt. In jedem Fall muss der Anleger im Prospekt darauf hingewiesen werden, dass er mit einer atypisch stillen Beteiligung nicht nur das eingesetzte Kapital aufs Spiel setzt, sondern auch darüber hinaus Haftungsrisiken bestehen können. In Aussicht gestellte Renditen und Steuervorteile sollten unter Hinzuziehung eines Steuerberaters genau geprüft werden.

Ist ein Anleger einem unseriösen Anbieter erst einmal auf den Leim gegangen, kann der angelegte Betrag oft nur unter großen rechtlichen und praktischen Schwierigkeiten zurückgeholt werden. Anleger, die Zweifel an der Seriosität einer bereits gezeichneten atypisch stillen Beteiligung haben, sollten deshalb unverzüglich fachkundigen Rat einholen.

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