Verbraucher : an Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Auch Aktionären nützt die Europa-AG

an Malte Diesselhorst

Die Allianz AG wandelt sich von einer Aktiengesellschaft in eine Europa-AG um. Hat das Auswirkungen für die Aktionäre ?

Die Europa-AG ist eine neue einheitliche Gesellschaftsform für alle europäischen Länder. Durch die Umwandlung aus einer deutschen Aktiengesellschaft in eine Europa-AG (societas europaea – abgekürzt SE) ergeben sich für das Unternehmen einige neue Möglichkeiten.

Die Konzernstruktur kann vereinfacht werden, weil man nicht mehr für jedes Land eine eigene Tochtergesellschaft braucht. Der Aufsichtsrat der Allianz kann von derzeit 20 Mitgliedern auf zwölf Mitglieder verkleinert werden. Zwar bleibt es bei der Mitbestimmung der Arbeitnehmer, doch werden in Zukunft auch Mitarbeiter aus anderen Ländern als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen. Das kann etwa bei Standortentscheidungen eine Rolle spielen. Die Europa-AG kann ihren Sitz innerhalb Europas frei wählen, so dass die Allianz in Zukunft ihren Sitz auch in einem anderen europäischen Land haben könnte. Zwar plant die Allianz derzeit wohl keine Sitzverlegung, doch schafft man sich damit für die Zukunft Flexibilität.

Diese Vorteile dürften auch den Aktionären letztendlich zugute kommen. Nachteile könnten sich allerdings ergeben, wenn später der Sitz der Gesellschaft doch noch in ein anderes Land verlegt werden sollte. So würde dann die Hauptversammlung in einem anderen europäischen Land stattfinden. Vorbereitung und Ablauf der Hauptversammlung würden nicht mehr den deutschen Regeln folgen, woraus sich eine Verschlechterung der Aktionärsrechte ergeben könnte. Allerdings dürften größere börsennotierte Aktiengesellschaften das Interesse des Kapitalmarktes und der Aktionäre bei solchen Entscheidungen berücksichtigen.

Gefährlicher könnte es für die Aktionäre werden, wenn kleine Gesellschaften nur deshalb die neue Rechtsform wählen, um dann mit einer Sitzverlegung den Aktionären die Wahrnehmung ihrer Rechte zu erschweren. Da bisher nur etwa 20 Gesellschaften in ganz Europa die neue Rechtsform gewählt haben, ist eine solche Gefahr allerdings konkret noch nicht zu erkennen.

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