Verbraucher : an Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Immobilienfonds: Riskante Erbschaft

an Malte Diesselhorst

Ich habe von meinem Vater einen Anteil eines geschlossenen Immobilienfonds einer GbR geerbt. Diesen hatte mein Vater 1991 aufgrund reißerischer Versprechungen eines Vermittlers gekauft. Ist die Fondsgesellschaft verpflichtet, mir als Erben das Geld auszuhändigen?

Geschlossene Immobilienfonds wurden gerade in den 90er Jahren massiv vertrieben, oft mit dem Versprechen erheblicher Steuerersparnis. Für viele Anleger kam aber ein böses Erwachen, wenn sich die Anlage nicht so entwickelte, wie erhofft. Und dabei stellte sich dann auch ein wesentlicher Nachteil dieser Anlageform heraus: Der Ausstieg ist schwierig oder unmöglich. Die Verträge sehen meist lange Laufzeiten vor. Ein Ausscheiden aus der Fondsgesellschaft ist vor Ende der Laufzeit nicht möglich. Eine Weiterveräußerung der Beteiligung scheitert ebenfalls, weil Käufer zu einem angemessenen Preis schwer zu finden sind.

Auch ein Erbfall berechtigt normalerweise nicht zur Kündigung der Beteiligung. Ob der Erbe Gesellschafter der Fondsgesellschaft wird, hängt vom Gesellschaftsvertrag ab. Wird der Erbe Fondsgesellschafter, so kann er bei guten Fonds die jährlichen Ausschüttungen und vielleicht am Ende der Laufzeit auch den Liquidationserlös vereinnahmen.

Vorsicht ist aber geboten, wenn es sich um einen notleidenden GbR-Fonds handelt. Tritt der Erbe hier in die Gesellschafterstellung ein, so können ihn auch Nachschusspflichten treffen. Gehört zum Nachlass eine Beteiligung an einem notleidenden Fonds, dann sollte der Erbe die Risiken vor einer Entscheidung über eine eventuelle Ausschlagung des Erbes klären, um ein böses Erwachen zu vermeiden.

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