Verbraucher : an Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Vorsprung der Insider nutzen

an Malte Diesselhorst

Die Börsenaufsicht geht regelmäßig dem Verdacht von Insidergeschäften bei börsennotierten Unternehmen nach – zuletzt beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Welche Meldepflichten haben Unternehmen und wie profitieren Anleger davon?

Dass Ex-EADS-Chef Noel Forgeard vor dem Kurssturz seines Unternehmens für einige Millionen Euro Aktien verkaufte, lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema Insidergeschäfte.

Dabei ist in Deutschland seit anderthalb Jahren die Regelung in Kraft, dass Insider, also Vorstände, Aufsichtsräte und andere einem Unternehmen nahe stehende Personen jeden Kauf und Verkauf von Aktien der eigenen Gesellschaft dem Unternehmen melden müssen. Das Unternehmen ist dann verpflichtet, diese Meldung zu veröffentlichen und damit allen Aktionären zugänglich zu machen.

Bei EADS stellt sich nun die Frage, ob es sich um strafbare Insidergeschäfte handelte, also der Vorstand einen Wissensvorsprung zum Verkauf der Aktien ausgenutzt hat. Für Anleger viel interessanter aber ist der Umstand, dass auch die EADS-Insiderverkäufe bereits vor dem Kurssturz öffentlich bekannt gemacht waren und Anleger daraus selbst Schlüsse hätten ziehen können.

Leider ist das Interesse an diesen Informationen noch zu wenig ausgeprägt. Das hängt vielleicht daran, dass die Insiderkäufe und -verkäufe bisher meist nur über die Website der Unternehmen bekannt gemacht werden und daher für Anleger schwer zu finden sind.

Inzwischen haben sich aber auch Analysten und Börseninformationsdienste dem Thema zugewandt, so dass Anleger die Möglichkeit haben, die Informationen gebündelt für alle Unternehmen laufend zu erhalten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine Anlagestrategie, die Käufe und Verkäufe von Insidern berücksichtigt, überdurchschnittliche Ergebnisse bringt. Wer also über den Kauf oder Verkauf einer Aktie nachdenkt, sollte sich durchaus auch darüber informieren, ob Insider in letzter Zeit diese Aktie gekauft oder verkauft haben. Denn auch wenn Insider einen konkreten Wissensvorsprung nicht ausnutzen dürfen, verfügen sie doch oft über eine bessere und realistischere Einschätzung der Chancen und Risiken ihres Unternehmens.

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