Verbraucher : an Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Das Internet stärkt Aktionärsrechte

an Malte Diesselhorst

Die Mitgliedstaaten der EU müssen börsennotierten Aktiengesellschaften demnächst die Möglichkeit geben, Hauptversammlungen für die Online-Teilnahme zu öffnen. Welche Vorteile bringt die elektronische Hauptversammlung den Anlegern?

Mit der vom Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments Ende Januar gebilligten Richtlinie, ist ein weiterer Schritt zur Flexibilisierung der Hauptversammlungspraxis getan worden. Die Umsetzung bleibt jetzt dem nationalen Gesetzgeber vorbehalten. Schon heute können Aktiengesellschaften ihren Aktionären über das Medium Internet viele Informationen zur Verfügung stellen und sie am Ablauf der Hauptversammlung (HV) auch teilnehmen lassen. Sogar die indirekte Abstimmung über die elektronische Übermittlung von Stimmrechtsvollmachten vor der HV und die Erteilung von Weisungen an Stimmrechtsvertreter vor und während der HV ist bereits heute möglich.

Auch Fragen an den Vorstand können über Internet während der HV übermittelt werden, wenn die Gesellschaft dies zulässt. Dass eine HV im traditionellen Stil im Internet übertragen wird und die Aktionäre die Möglichkeit haben, Weisungen an Stimmrechtsvertreter noch während der HV auf elektronischem Wege zu geben, ist bereits in der Vergangenheit von Daimler-Chrysler, Deutscher Telekom oder Allianz genutzt worden.

Die virtuelle HV, in der die Abwicklung vollständig über das Internet erfolgt und die Aktionäre nicht mehr in einem Versammlungssaal präsent sind, ist dagegen bisher rechtlich nicht möglich und auch in Zukunft kaum denkbar. Die Möglichkeit der Teilhabe an der HV über das Internet verstärkt also die Anlegerrechte. Gerade aus der persönlichen Anwesenheit der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder und der Möglichkeit der Aktionäre, allen Personen Fragen zu stellen und direkte persönliche Antworten zu erhalten, macht aber einen wesentlichen Teil des Nutzens der HV aus. Die Teilhabe über das Internet kann deshalb nur komplementär zu einer Präsenzversammlung sein, diese aber in Zukunft nicht ersetzen.

Wer gerade bei kritischen Hauptversammlungen die menschliche Interaktion zwischen den Beteiligten einmal erlebt hat, wird sich auch die ausschließlich virtuelle HV kaum noch wünschen.

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