Verbraucher : an Michael Rottmann Leiter der Zins- und Devisenstrategie der Hypo-Vereinsbank

Renditen werden weiter sinken

an Michael Rottmann

Womit müssen Anleger im Jahr 2006 auf dem deutschen Rentenmarkt rechnen?

Wir erwarten 2006 erneut eine sehr positive Entwicklung von deutschen Staatsanleihen und rechnen mit einem Rückgang der 10-jährigen Renditen von 3,4 auf 3,0 Prozent zum Jahresende. Die Erwartung basiert auf strukturellen und zyklischen Faktoren. Angesichts des in den letzten Jahren global gestiegenen Güterangebotes und Wettbewerbes wird der Anstieg der Verbraucherpreise auch in den kommenden Jahren moderat bleiben. Dies ist gleichbedeutend mit einem niedrigen Leitzinsniveau im Vergleich zu früheren Zyklen. Hinzu kommt die globale Sparneigung: Die Ölförderländer legen ihre Petrodollars an, asiatische Zentralbanken häufen Währungsreserven an und immer mehr Pensionsfonds werden zur Deckung der betrieblichen Altersvorsorge gegründet. Das Kapital sucht händeringend nach Anlagemöglichkeiten. Dies zeigte sich eindrucksvoll an den zeitgleich positiven Erträgen bei Aktien, Rohstoffen, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Emerging Markets-Anleihen in den vergangenen drei Jahren.

Auch in den kommenden Jahren dürfte sich die hohe globale Liquidität weniger in einer Konsumentenpreisinflation als vielmehr in einer Assetpreisinflation widerspiegeln, was die Renditen von Staatsanleihen auf Jahre hinaus auf niedrigen Niveaus halten wird. Aus zyklischer Sicht rechnet die Hypo-Vereinsbank spätestens zum zweiten Quartal 2006 mit rückläufigen Geschäftsklimaindikatoren. Die Furcht vor einer globalen Abschwächung der Immobilienpreisinflation unterstreicht den zyklischen Aspekt. Allein die latente Angst vor den negativen Wachstumsauswirkungen eines sich abschwächenden Immobilienmarktes wird die Zinskurven auf niedrigem Niveau halten.

Unter einem zyklischen Aspekt gilt: Selbst wenn die EZB angesichts der aktuell positiven Geschäftsklimaindikatoren im ersten Quartal 2006 den Leitzins nochmals um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent erhöht – langlaufende Anleihen reflektieren im zweiten Halbjahr 2006 ein schwächeres Wachstum. Anders als die Mehrheit der Banken würde uns bei der 10-jährigen Rendite deutscher Staatsanleihen eine Zwei vor dem Komma im Verlauf von 2006 nicht überraschen.

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar