Verbraucher : an Michael Rottmann Leiter der Zins- und Devisenstrategie der Hypo-Vereinsbank

Die Zinsen werden weiter steigen

an Michael Rottmann

Die US-Geldpolitik scheint am Ende des Zinserhöhungszyklus angelangt zu sein. Wird auch die Europäische Zentralbank (EZB) den Zinserhöhungszyklus in Kürze beenden?

Für ein unmittelbar bevorstehendes Ende der Leitzinserhöhungen durch die EZB ist es noch zu früh. Die EZB-Pressekonferenz nach der jüngsten Leitzinserhöhung auf drei Prozent suggerierte, dass die nächste Zinserhöhung nicht lange auf sich warten lässt. Notenbankchef Trichet betonte, dass auch bei einem Niveau von drei Prozent die Geldpolitik noch immer expansiv ist. In anderen Worten: Noch mindestens eine weitere Anhebung steht bevor. Auch das Tempo der Erhöhungen spricht für weitere Zinsschritte. Nachdem die ersten drei Leitzinsanhebungen von zwei auf 2,75 Prozent im Dreimonatsturnus vorgenommen wurden, werden die nächsten Schritte wohl dem inzwischen eingeschlagenen Zweimonatsryhtmus folgen.

Die US-Geldpolitik spielt hingegen keine Rolle. Traditionell hinkte die EZB bislang der US-Notenbank hinterher, auch der Umfang der Leitzinserhöhungen und –senkungen waren wesentlich maßvoller als die der Fed. Dies entspricht der unterschiedlichen geldpolitischen Taktik beider Notenbanken. Die US-Notenbank versucht die Geldpolitik eher vorbeugend und aggressiver zu fahren, während die EZB bis heute ihrem beständigen Ansatz treu bleibt.

Es ist denkbar, dass die EZB ein Leitzinsniveau von zumindest 3,5 Prozent anpeilt und dieses erreichen möchte, bevor die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn 2007 die größte Wirtschaft des Euroraums in eine ungewisse Zukunft führt. Noch fällt es der EZB hingegen leicht, die Zinserhöhungen der Bevölkerung wie auch den einzelnen Finanzministerien zu verkaufen. Die Inflation liegt aktuell mit 2,5 Prozent klar über der angepeilten Obergrenze von 1,9 Prozent und diverse Frühindikatoren zeigen für den gesamten Euroraum noch immer nach oben. Falls die Konjunkturdaten, die in den kommenden sechs bis acht Wochen veröffentlicht werden, nicht enttäuschen, wird der Leitzins Anfang Oktober auf 3,25 Prozent angehoben. Ein weiterer Anstieg auf 3,5 Prozent noch vor dem Jahresende ist sehr wahrscheinlich.

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar