Verbraucher : an Peter Lischke Verbraucherzentrale Berlin

Verlorene Karte sofort sperren

an Peter Lischke

Die Betreibergesellschaft des Sperrnotrufs 116 116 ist insolvent. Was kann und muss ich jetzt beim Verlust meiner EC- oder Kreditkarte tun?

Jeder Kunde ist für die Sicherheit seiner Karten selber verantwortlich und muss die PIN-Nummern so aufbewahren, dass ein Missbrauch ausgeschlossen ist. Sie sollten keinesfalls auf der Karte stehen oder sich auf einem Zettel in der Geldbörse befinden – auch nicht getarnt als Telefonnummer oder Geburtsdatum.

Bei einem Verlust der Karte ist es unbedingt erforderlich, die Karte sperren zu lassen und bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Erst nach der Sperrung besteht Aussicht auf Schadenersatz. Denn dann haftet bei einer ungerechtfertigten Abbuchung die Bank. Um die Sperrung der Karten zu vereinfachen, können Verbraucher seit dem 1. Juli 2005 verlorene EC- oder Kreditkarten, Ausweise und Handy-SIM-Karten über eine Notrufnummer (116 116, aus dem Ausland mit Vorwahl 0049) kostenlos sperren lassen. Zwar musste der Betreiber wegen ungeklärter Finanzierungsfragen Insolvenz anmelden. Der Betrieb der Sperr-Notrufnummer bleibt vom Insolvenzantrag aber unberührt. Eine Sperrung ist unter der Nummer also weiter möglich.

Eine Sperrung ist auch direkt über den Anbieter der Karte oder die zentrale Sperrnummer der Kreditwirtschaft (01805-021021, aus dem Ausland mit der Vorwahl 0049) möglich. Diese Form wird nach wie vor von der Mehrheit der betroffenen Kunden genutzt.

Wird bereits vor einer Sperrung Geld mit der Karte abgehoben, wird der Fall komplizierter. Hier ziehen sich die Banken – gestützt auf die herrschende Rechtsprechung – auf die Position zurück, dass eine Abhebung ohne PIN-Nummer nicht möglich ist. Die Nummer muss also dem Dieb bekannt gewesen sein; der Kunde, so argumentieren die Banken, hat zumindest grob fahrlässig gehandelt. Nach den Grundsätzen des ersten Anscheins haftet die Bank nicht. Diese Auffassung hat der Bundesgerichtshof bestätigt (Aktenzeichen XI ZR 210/03). Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen will gleichwohl höchstgerichtlich klären lassen, dass im Fall einer glaubhaften Versicherung des Kunden, dass er sorgfältig mit seiner PIN umgegangen ist, die Bank den Gegenbeweis antreten muss.

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