Verbraucher : an Sabine Fischer Verbraucherzentrale Brandenburg

Matratzen sollten lange halten

an Sabine Fischer

Wir kauften vor über einem Jahr eine hochwertige Matratze, um Rückenbeschwerden vorzubeugen. Auf unsere ausdrückliche Nachfrage hin versprach der Händler damals, dass dieses Modell mindestens zehn Jahre lang halten würde. Wider Erwarten gibt es aber bereits jetzt Liegemulden, die uns Rückenschmerzen machen. Der Händler wiegelt unsere Mängelansprüche ab und verweist an den Hersteller, der will aber nur deutlich sichtbare Liegemulden als Mangel anerkennen. Was können wir nun tun ?

Verbraucher haben es bisweilen schwer, Mängel an einer gekauften Sache erfolgreich zu reklamieren. Trotz der im Gesetz festgeschriebenen zweijährigen Haftung der Händler für Sachmängel (Paragraf 438 Abs. 1 Nr. 3 Bürgerliches Gesetzbuch) lehnen diese häufig Reklamationen ab, wenn sich Mängel an der Ware erst nach Ablauf der ersten sechs Monate nach Erhalt zeigen. Statt dessen schieben sie dann die Verantwortung lieber auf den Hersteller oder machen eine Reklamation davon abhängig, dass der Kunde zuvor eine Vereinbarung zur Kostenübernahme für Reparatur, Überprüfung, Anfahrt oder Entsorgung unterzeichnet.

Doch entgegen der gängigen Praxis einiger Händler muss der Kunde auch bei einer Reklamation nach Ablauf der ersten sechs Monate keineswegs stets ein teures Gutachten vorlegen, um zu beweisen, dass die Ware bereits beim Kauf mangelhaft war. Richtig ist zwar, dass nur in den ersten sechs Monaten die gesetzliche Vermutung zugunsten des Käufers besteht, dass ein aufgetretener Mangel schon bei der Übergabe in der Ware angelegt war (Paragraf 476 BGB). Das heißt aber noch lange nicht, dass Kunden ab dem siebten Monat generell abblitzen. Denn in vielen Fällen spricht schon der erste Anschein dafür, dass der erst später zu Tage getretene Mangel bereits bei Erhalt der Ware vorgelegen haben muss.

Das ist vor allem dann anzunehmen, wenn die Ware bestimmungsgemäß genutzt wurde – zumal insbesondere langlebige Konsumgüter sogar eine mehr als zweijährige Lebensdauer haben. Besonders Artikel wie Matratzen, die ständig hoch beansprucht werden, müssen so beschaffen sein, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zwei Jahre lang halten. Denn sonst würde eine gesetzliche Gewährleistungszeit von zwei Jahren ins Leere laufen. Das gilt insbesondere dann, wenn der Händler (oder auch Hersteller) die Matratze mit einer mindestens zehnjährigen Beschaffenheitszusage angeboten hat. Der Händler darf den Kunden während der gesetzlichen Gewährleistungszeit von zwei Jahren auch nicht an den Hersteller verweisen.

Ist allerdings wie hier strittig, ob überhaupt ein anspruchsbegründender Sachmangel im Sinne der Gewährleistungsvorschriften vorliegt, ist der reklamierende Kunde nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs beweispflichtig (BGH VIII ZR 329/03 vom 02.06.2004). Anhaltspunkte können dann zum Beispiel Prüfergebnisse der Stiftung Warentest bieten.Foto: Thilo Rückeis

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Recht@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Recht, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben