Verbraucher : an Sabine Fischer Verbraucherzentrale Brandenburg

Der Reisekatalog muss stimmen

an Sabine Fischer

Wir haben eine viertägige Busreise nach Schlesien gebucht. Wir sollten in einem Schlosshotel wohnen mit Sat-TV und Radio auf jedem Zimmer. Außerdem war uns ein Schwimmbad versprochen worden sowie Ritterspiele und Kutschfahrten. Als wir ankamen, fehlten jedoch Zimmer. Eine Verständigung war nicht möglich, da keine Reiseleitung vorhanden war und das Servicepersonal nicht Deutsch sprach. Daher reiste ein Teil der Gäste sofort wieder nach Hause, während sich andere in der Umgebung neue Unterkünfte suchten. Im Hotel selbst gab es auf den Zimmern weder Sat-TV noch Radio, das Schwimmbad war geschlossenen, Ritterspiele und Kutschfahrten gab es nicht, die Treppe zu den Dachzimmern war nicht gesichert. Was können wir tun?

Auch Aussagen in Anzeigen, Katalogen oder auf Internet-Seiten des Reiseveranstalters sind Bestandteil des Vertrages. Daher sollten Sie diese als Buchungsgrundlage aufbewahren oder speichern. Weicht schon die Reisebestätigung von Ihrer verbindlichen Buchung ab, kommt ein Reisevertrag gar nicht erst zustande. Die Reisebestätigung des Veranstalters stellt dann vielmehr ein neues Vertragsangebot dar, welches Sie annehmen können oder auch nicht.

Stellt sich dagegen erst am Urlaubsort heraus, dass zugesagte Reiseleistungen mangelhaft sind oder gänzlich fehlen, löst das Mängelansprüche des Reisenden aus. Der Reisende muss den Mangel anzeigen und vom Reiseveranstalter Abhilfe in angemessener Frist verlangen. Verstreicht die Frist fruchtlos oder ist sie entbehrlich, kann der Urlauber zur Selbsthilfe greifen. Dazu gehört auch der Umzug in ein mangelfreies Zimmer im gebuchten oder einem anderen Hotel.

Bei einer erheblichen Beeinträchtigung der Reise durch Mängel, die zu einer etwa 50-prozentigen Reisepreisminderung führen kann, kann der Reisende den Vertrag auch sofort kündigen und Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden verlangen. Erwachsene können rund 60 Euro pro Tag, Kinder die Hälfte geltend machen.

In Ihrem Busreise-Fall können sowohl die im Hotel verbliebenen Urlauber als auch jene, die sich Ersatz gesucht hatten, erfolgreich Ansprüche gegen den Reiseveranstalter geltend machen. Das müssen sie aber innerhalb eines Monats nach dem vertraglichen Reiseende tun. Da der Veranstalter keine örtliche Reiseleitung eingerichtet hatte, waren Mängelanzeige und Abhilfeverlangen entbehrlich.

Ein unterlassener Zimmerservice, die fehlende Reiseleitung, kein Sat-TV und Radio, das geschlossene Schwimmbad, die gestrichenen Ritterspiele und Kutschfahrten sowie die halsbrecherische Treppe zu den Dachzimmern dürften zu einer mindestens 25-prozentigen Reisepreisminderung führen. Jene Reisenden, die in eigener Regie umgezogen sind, können eine Reisepreisminderung vornehmen, wenn die Ersatzunterkunft deutlich hinter den gebuchten Leistungen zurückbleibt.

Die Gäste, die nach Hause reisten, haben den Reisevertrag gekündigt, weil ihre gebuchten Zimmer nicht zur Verfügung standen. Damit liegt nach Paragraf 651 e BGB eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise vor, die zur Kündigung berechtigt. Eine Pflicht für Reisende, sich um eine andere Unterkunft vor Ort zu bemühen, besteht reiserechtlich nicht. Diese Reisenden bekommen den vollen Reisepreis zurück, da auch der durch den Veranstalter durchgeführte Bustransport für die Betroffenen wertlos war. Zusätzlich können sie nach Paragraf 651 f Absatz 2 BGB Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden geltend machen. Foto: Thilo Rückeis

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Recht@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Recht, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar