Verbraucher : an Sabine Fischer Verbraucherzentrale Brandenburg

Die Jahreskarte ersetzen

an Sabine Fischer

Mir wurde kürzlich meine Jahreskarte für Museumsbesuche gestohlen, die auf meinen Namen ausgestellt und nicht übertragbar ist. Als ich das dem Aussteller der Karte anzeigte und unentgeltlich eine Ersatzkarte haben wollte, lehnte dieser das wegen der angeblich bestehenden Missbrauchsgefahr ab. Was kann ich jetzt tun ?

Bei der Jahreskarte handelt es sich juristisch gesehen um ein so genanntes qualifiziertes Legitimationspapier (Paragraf 808 Bürgerliches Gesetzbuch), in dem Ihnen die Museumsverwaltung eine bestimmte Leistung über einen längeren Zeitraum verspricht (Museumsbesuche für ein Jahr). Im Gegensatz zu einem einfachen Inhaberpapier (Paragraf 807 BGB) wie einem Einzelfahrschein für eine Busfahrt, ist ein qualifiziertes Legitimationspapier auf eine bestimmte Person (Gläubiger) bezogen. Unterscheiden muss man aber zwischen übertragbaren und nicht übertragbaren Inhaberpapieren. Bei übertragbaren Papieren kann der Schuldner die Leistung grundsätzlich auch anderen Personen gegenüber gewähren, also auch potenziellen Dieben oder Findern (Paragraf 808 Abs. 1 Satz 1 BGB). Hat er sein Leistungsversprechen eingelöst, wird er frei – auch gegenüber dem eigentlich Berechtigten.

Da Ihre Jahreskarte jedoch zu einer Vielzahl von Museumsbesuchen berechtigt, hat der Aussteller (Schuldner) festgelegt, dass diese auf andere Personen nicht übertragbar ist. Dadurch hat er sich vor einer unkalkulierbaren Inanspruchnahme durch Nichtberechtigte in der Weise geschützt, dass er zuvor die Berechtigung des vorlegenden Inhabers prüfen und gegebenenfalls eine Inanspruchnahme der Leistung verweigern kann (§ 808 Abs. 1 Satz 2 BGB). Das ist insbesondere dann erforderlich, wenn der Berechtigte den Verlust der Karte anzeigt. Da Sie den Verlust der nicht übertragbaren Jahreskarte gemeldet haben, dürften Leistungen an unbestimmte Inhaber künftig ausgeschlossen sein. Es ist der Museumsverwaltung daher möglich und zumutbar, eine Ersatzkarte auszustellen (siehe dazu auch Urteil des BGH; AZ: X ZR 10/04). Weigert sie sich, müssen Sie Ihre Ansprüche gerichtlich durchsetzen. Foto: Thilo Rückeis

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