Verbraucher : an Stefan Braatz Deutsche Rentenversicherung (Bund)

Rentenauskunft ohne Bestand

an Stefan Braatz

Die BfA hatte mir seinerzeit zwölf Jahre Gymnasium und Universität für die Rente anerkannt. In meiner Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung Bund ist jetzt davon nicht mehr die Rede. Gibt es denn keinen Bestandsschutz? Und wie kann ich die Lücke schließen?

Schule, Fach- und Hochschule sowie die Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme ab dem 17. Lebensjahr sind bis zu maximal acht Jahren Anrechnungszeiten in der Rentenversicherung. Bis 2009 werden im Rentenfall hiervon bis zu drei Jahre rentensteigernd bewertet, ab 2009 steigert lediglich der Fachschulbesuch die Rente. Die anderen Ausbildungszeiten zählen weiterhin bis zur Höchstdauer bei der Wartezeit von 35 Versicherungsjahren mit. Diese Mindestversicherungszeit ist zum Beispiel für die vorzeitigen Altersrenten an langjährig Versicherte oder für Schwerbehinderte maßgeblich.

Über die Anerkennung rentenrechtlicher Zeiten wird in der Regel bei der Kontenklärung entschieden; deren Anrechnung und Bewertung entscheidet sich erst im Leistungsfall, also bei Rentenbeginn. Einen Bestands- oder Vertrauensschutz gibt es insoweit, dass bei Rentenbeginn in der Zeit von 2005 bis 2008 die rentensteigernden Ausbildungszeiten nicht auf einmal, sondern stufenweise abgesenkt werden und erst bei einem Rentenbeginn ab 2009 die Rente gar nicht mehr erhöhen. Unterschiede von früheren zu heutigen Rentenauskünften ergeben sich folglich durch die geänderte Rechtslage bei der Höchstdauer anzuerkennender Ausbildungs-Anrechnungszeiten.

Allerdings können für Ausbildungszeiten nach dem 16. Lebensjahr, die nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigt werden, auf Antrag freiwillige Beiträge nachgezahlt werden. Etwa für Schulzeiten zwischen 16 und 17, nach Überschreiten der Höchstdauer von acht Jahren oder für die Zeit der Immatrikulation nach der Diplomprüfung bis zur Promotion. Die Beiträge müssen zwischen dem Mindest- und dem Höchstbeitrag liegen (zwischen 78 Euro und 1023,75 Euro monatlich), den Antrag müssten Sie bis zum 45. Lebensjahr stellen.

Zur Frage, ob sich eine Nachzahlung lohnt, gilt am ehesten der Grundsatz: Führt erst die Nachzahlung von Beiträgen zur Erfüllung einer Wartezeit – und somit zum Entstehen des Rentenanspruchs –, „lohnt“ sich die Nachzahlung; anderenfalls würde gar keine Rente gezahlt. Wegen der Erhöhung eines bereits bestehenden Rentenanspruchs ist eine allgemeine Aussage nicht möglich. Da es vereinzelt Fallkonstellationen geben kann, in denen Aufwand (Nachzahlungsbetrag) und Ertrag (Rentensteigerung) in einem ungünstigen Verhältnis stehen, sollten sich Versicherte vorab immer individuell von der Rentenversicherung beraten lassen. Foto: Kai-Uwe Heinrich

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