Verbraucher : an Susanne Meunier Stiftung Warentest

Direkt versichern oder nicht

an Susanne Meunier

Ich bin 40 und möchte über meinen Arbeitgeber eine Direktversicherung abschließen. Soll ich das noch in diesem Jahr tun oder lieber auf das neue Steuerrecht warten, das am 1. Januar 2005 in Kraft tritt?

Rechnen Sie im Alter neben ihrer gesetzlichen Rente mit guten Zusatzeinkünften, sollten Sie noch bis Ende diesen Jahres eine Direktversicherung abschließen. Wenn Sie dagegen davon ausgehen, als Rentner nur mäßige zusätzliche Einnahmen zu haben, lohnt es sich für sie eher, den finanziellen Vorteil von in der Ansparphase steuerfreien Beiträgen zu nutzen und dafür im Alter die volle Besteuerung der Auszahlung hinzunehmen. Dann sollten Sie mit dem Abschluss der Direktversicherung bis 2005 warten.

Heute 40-Jährige müssen 89 Prozent ihrer gesetzlichen Rente versteuern, wenn sie mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen. Das führt auch dazu, dass darüber hinausgehende regelmäßige Einkünfte beispielsweise aus Betriebsrenten wegen der Steuerprogression höher besteuert werden. Wer viel hat, muss also künftig einiges mehr abgeben. Dann ist es gut, wenn wenigstens ein Teil nur minimal besteuert wird. Pauschalversteuerte Direktversicherungen bieten das. Die spätere Auszahlung einer bis Ende 2004 abgeschlossenen und in der Ansparphase nur mit 20 Prozent versteuerten Direktversicherung ist sogar steuerfrei, wenn sie auf einen Schlag erfolgt. Bei einer Rentenzahlung wäre nur der geringe Ertragsanteil steuerpflichtig, dessen Höhe vom Renteneintrittsalter abhängt.

Die Ertragsanteilbesteuerung wird ab 2005 noch günstiger. Wenn Sie mit 65 Jahren in Rente gehen, müssten Sie nur auf 18 Prozent einer solchen Rente Steuern zahlen. Bis Ende 2004 versteuern 65-jährige hier noch 27 Prozent.

Schon in der Ansparphase profitieren Arbeitnehmer mit hohem Gehalt stärker von der Pauschalversteuerung der Beiträge, weil sie wegen der Steuerprogression prozentual viel mehr Steuern als 20 Prozent zahlen. Dafür wirkt bei Arbeitnehmern mit nur mittlerem oder unterdurchschnittlich hohem Gehalt ein anderer Vorteil der Direktversicherung stärker: Wer sich für einen jährlichen Einmalbeitrag aus Urlaubs- oder Weihnachtsgeld entscheidet, muss bis 2008 keine Sozialabgaben zahlen. Beschäftigte mit höheren Einkünften müssen ab einer bestimmten Einkommenshöhe ohnehin keine Sozialabgaben mehr zahlen.

Es gibt aber Gründe, auf eine Direktversicherung zu verzichten. Der Einstieg in eine Betriebsrente empfiehlt sich zum Beispiel für Sie nicht, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz vermutlich bald wechseln. Es bietet auch nicht jeder Arbeitgeber eine Direktversicherung an.

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