Verbraucher : an Ulrich Schellenberg Rechtsanwalt und Notar

Testament – dem Partner zuliebe

an Ulrich Schellenberg

Mein Lebensgefährte und ich haben ein Haus erworben. Wir stehen beide als Eigentümer im Grundbuch. Wir sind zwar schon seit acht Jahren zusammen, heiraten möchten wir aber nicht. Mit der Familie meines Freundes habe ich nichts am Hut. Kann es mir passieren, dass ich mich plötzlich mit denen auseinandersetzen muss, wenn mein Freund stirbt? Und was könnte ich dagegen tun?

Jeder hat die Möglichkeit, seine Erbfolge selbst durch seinen „letzten Willen" zu regeln. Macht man davon keinen Gebrauch, dann gilt das gesetzliche Erbrecht. Da das gesetzliche Erbrecht nur für Verwandte und Ehepartner gilt, steht Ihnen als Lebensgefährtin kein gesetzliches Erbrecht zu.

Stirbt Ihr Freund, ohne ein Testament zu hinterlassen, so würde Ihr Lebensgefährte – wenn vorhanden – zuerst von seinen Kinder beerbt werden. Hat er keine Kinder, würde das Erbe an seine Eltern fallen. Sind Vater und Mutter bereits verstorben, ginge das Erbe auf seine Geschwister über. Sollten auch keine Geschwister da sein, dann würde die Linie der möglichen Erben über die Großeltern Ihres Freundes zurückzuverfolgen sein.

Für Sie bedeutet das, dass Sie es von einer Sekunde auf die andere mit einem oder gar mehreren Miteigentümern zu tun haben, mit denen Sie freiwillig nie gemeinsam ein Haus erworben hätten. Außerdem gehen die jeweiligen Interessen oft deutlich auseinander. Während Sie das Interesse haben, das Haus weiter zu nutzen, haben Ihre neuen Miteigentümer wahrscheinlich nur das Ziel, die ihnen zustehende Hälfte der Immobilie so schnell wie möglich zu verkaufen. Diesen Verkauf können Sie zwar zunächst verhindern, wenn Sie selbst nicht zustimmen. In diesem Fall verbleibt den Erben aber immer noch die Möglichkeit, das Haus zwangsweise in die Teilungsversteigerung zu geben.

Das können Sie nur verhindern, wenn Sie zu Lebzeiten regeln, dass der jeweils andere von Ihnen Alleinerbe werden soll oder aber – etwa wenn einer von Ihnen Kinder hat – der jetzige Lebenspartner gemeinsam mit Verwandten am Nachlass beteiligt werden soll. Aber auch in diesen Fällen empfiehlt es sich, hinsichtlich des hälftigen Anteils am Grundstück für klare Verhältnisse zu sorgen. Dies kann auch dadurch erfolgen, dass zugunsten des Partners ein Vermächtnis ausgesetzt wird, dass dieser – auch neben erbberechtigten Verwandten – die Haushälfte gegen Übernahme der darauf lastenden Verbindlichkeiten als Vermächtnis übernehmen kann.

Gibt es keine weiteren Verwandten, sollten Sie sich wechselseitig als Alleinerben einsetzen, wobei Sie lediglich einen Freibetrag von 5200 Euro in Anspruch nehmen können und mit dem übersteigenden Betrag mit Erbschaftssteuer belastet werden. Bei einem Wert der Grundstückshälfte von beispielsweise bis zu 250 000 Euro würde diese 23 Prozent betragen. Foto: Mike Wolff

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