Verbraucher : an Walter Glanz Rentenexperte

Lange warten auf die Kur

an Walter Glanz

Ich habe insgesamt 42 Monate Pflichtbeiträge an die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte gezahlt. Jetzt bin ich selbstständig. Ich habe gehört, dass ich für 60 Monate Beiträge gezahlt haben muss, um Anspruch auf eine Kur zu haben. An die BfA müsste ich jetzt 18 Monate nachzahlen. Das wären 1400 Euro. Kann ich nach der Nachzahlung damit rechnen, eine Kur bezahlt zu bekommen?

Neben den persönlichen und medizinischen Voraussetzungen sind auch versicherungsrechtliche Voraussetzungen für Rehabilitationsmaßnahmen zu erfüllen. Das ist der Fall, wenn der oder die Versicherte innerhalb der letzten zwei Jahre für mindestens sechs Monate Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder insgesamt eine Wartezeit von 15 Jahren nachweisen kann. Bei einer Beitragszeit von 42 Monaten Pflichtbeiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung, die in Ihrem Fall vermutlich vor Beginn der selbstständigen Erwerbstätigkeit liegen, dürften die Voraussetzungen nicht erfüllt sein. Ihr Antrag müsste abgelehnt werden. Selbst durch eine freiwillige Beitragsleistung zur Rentenversicherung können Sie die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllen, da es sich nicht um Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung handelt.

Sofern noch nicht geschehen, würde ich Ihnen gerne empfehlen, zunächst eine Kontenklärung durchzuführen. Nach vollständiger Kontenklärung kann festgestellt werden, wie viele Monate auf die Wartezeit von 15 Jahren anzurechnen sind. Wenn die Differenz zwischen der anrechenbaren Wartezeit und der geforderten Wartezeit sehr gering ist, könnten Sie diese wiederum durch freiwillige Beiträge auffüllen. Freiwillige Beiträge zählen bei der 15-jährigen Wartezeit mit.

Sollte es bei einer Wartezeit von 42 Monaten bleiben, so stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, noch freiwillige Beiträge zu zahlen. Der Mindestbeitrag für einen Monat beträgt zurzeit 78 Euro. Sie hätten dann die Wartezeit erst in über 11 Jahren erfüllt. Das würde einen Beitragsaufwand von mindestens 10 764,00 Euro bedeuten.

Möglicherweise kann Ihnen aber auch eine „Kur" von Ihrem privaten Versicherungsunternehmen gezahlt werden, sofern Sie einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben. Sollten Sie bei einer gesetzlichen Kasse versichert sein, sollten Sie dort einen Anspruch prüfen lassen. Damit Ihnen die 42 Monate Beitragszahlung nicht gänzlich verloren gehen, sollten Sie noch 18 Monate freiwillige Beiträge zahlen, damit wenigstens ein Rentenanspruch ab dem 65. Lebensjahr besteht.Foto: Kai-Uwe Heinrich

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