Verbraucher : an Wolfgang Wawro Steuerberater

Achten Sie auf die Spekulationsfrist

an Wolfgang Wawro

Wir haben eine kleine Wohnung im Jahre 1992 für umgerechnet 47000 Euro gekauft und bis zum 31. Juli 2004 vermietet. Seit dieser Zeit versuchen wir, diese Wohnung zu verkaufen. Zurzeit sind wir bei einem Verkaufspreis von 29000 Euro angelangt und haben trotz massiver Anzeigen in Tageszeitungen und Internet immer noch keinen Käufer gefunden. Unsere Frage: Können wir die Verluste, die beim Verkauf entstehen, steuerlich geltend machen? Wenn ja, wie? Wenn nein, warum nicht?

Allgemein wird die Veräußerung von Gegenständen des Privatvermögens einkommensteuerlich nicht erfasst. Der Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes (EStG) bildet da eine Ausnahme. Private Veräußerungsgeschäfte gemäß Paragraf 23 EStG sind beispielsweise Veräußerungsgeschäfte von Grundstücken/Immobilien, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre beträgt, und Veräußerungsgeschäfte von Wertpapieren, bei denen der Zeitraum zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr beträgt.

Zweck des Paragrafen 23 EStG ist es, innerhalb der Veräußerungsfrist von zehn beziehungsweise einem Jahr realisierte Gewinne aus Wertsteigerungen der Einkommensteuer zu unterwerfen. Langfristige Wertsteigerungen, also Gewinne außerhalb der Veräußerungsfrist, sind steuerfrei.

Die Verluste aus dem Verkauf Ihrer Wohnung sind steuerlich also nicht berücksichtigungsfähig, da dieser Verlauf außerhalb der Veräußerungsfrist liegt. Der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung der Immobilie beträgt mehr als zehn Jahre. Ihre entstandenen Verluste bleiben unberücksichtigt. Für Sie kein Trost, aber im Gegenzug müssten Gewinne auch nicht versteuert werden.

Zurzeit ist in Sachen Veräußerungsfrist immer noch ein Verfahren anhängig, in dem noch entschieden wird, ob die rückwirkende Verlängerung der Veräußerungsfrist für private Grundstücke von zwei auf zehn Jahre beziehungsweise für Wertpapiere von sechs Monaten auf ein Jahr durch das Steuerentlastungsgesetz verfassungswidrig ist. Die Entscheidung bleibt abzuwarten. Foto: Kai-Uwe Heinrich

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