Verbraucher : an Wolfgang Wawro Steuerberater

Häuser jetzt noch verschenken

an Wolfgang Wawro

Ich habe gehört, dass das Bundesverfassungsgericht noch in diesem Jahr über die Erbschaftsteuer beim Vererben von Immobilien urteilen wird. Ich überlege, meinen Kindern mein Haus zu schenken. Sollte ich das besser jetzt tun oder lieber bis nach dem Urteil warten?

Die zu erwartende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaft- und Schenkungssteuer ist bereits mehrfach aufgeschoben worden und „droht“ nun immer stärker. Warum droht? Es ist keineswegs mit einer steuerlichen Entlastung zu rechnen. Die Erwartung geht in Richtung spürbarer Mehrbelastung insbesondere bei der Übertragung von Haus- und Grundbesitz. Das Grundvermögen soll künftig am Verkehrswert orientiert bewertet werden. Die Länderfinanzminister rechnen mit Mehreinnahmen von mindestens 500 Millionen Euro.

Derzeit liegen die Steuerwerte von Immobilien meistens nur bei 60 Prozent der Verkehrswerte. Wird die steuerliche Bewertung zum Beispiel auf etwa 90 Prozent der Verkehrswerte hochgeschraubt, wird in einigen Fällen der persönliche Freibetrag nicht mehr genügen, eine Schenkung oder Erbschaft an Angehörige freizustellen. Das heißt: Die Erben oder Beschenkten werden mit Steuern belastet.

Liegt der Verkehrswert einer Immobilie beispielsweise bei 580 000 Euro, dann beträgt der etwaige Steuerwert heute 348 000 Euro, künftig aber 522 000 Euro. Werden zwei Kinder bedacht, die jedes einen Freibetrag von 205 000 Euro beanspruchen können, bekommt das Finanzamt heute nichts. In Zukunft aber müsste jedes Kind 56 000 Euro besteuern und 5640 Euro an das Finanzamt abführen, zusammen also 11 280 Euro. Wenn also der mutmaßliche Wert höher ist als die Summe der Freibeträge, sollten Sie Ihr Haus lieber heute als morgen übertragen.

Häufig ist es so, dass man zwei oder mehr Angehörige bedenken möchte, aber leider nur ein Haus hat. Dann sollte die künftige Grundstücksgemeinschaft am besten schon im Vorfeld besprochen und geregelt werden, um spätere Reibereien möglichst zu vermeiden. Denn die Beteiligten haben natürlich auch eigene Interessen, die nicht immer mit den Gemeinschaftsinteressen unter einen Hut passen.

Wer aus anderen Gründen als der Steuer noch zögert, sollte sich über die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Nießbrauch oder Widerrufsrechte informieren. Hier bieten sich unterschiedliche Gestaltungen an.

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