Verbraucher : an Wolfgang Wawro Steuerberater

Muss ich meine Rente versteuern?

an Wolfgang Wawro

Vor einiger Zeit ist meine Lebensversicherung fällig geworden. Sie lief weit mehr als zwölf Jahre, das 60. Lebensjahr war bei Fälligkeit der Versicherung reichlich überschritten. Ich habe mir die Summe aber nicht als Ganzes auszahlen lassen, sondern erhalte sie als monatliche Rentenzahlung. Nun sagte man mir, die monatliche Rentenzahlung sei zu versteuern. Stimmt das etwa? Ich dachte, Lebensversicherungen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen worden sind und mindestens zwölf Jahre lang gelaufen sind, wären komplett steuerfrei.

Das stimmt auch, trifft in Ihrem Fall die Sachlage aber nicht ganz. Die reine Auszahlung Ihrer Lebensversicherungsansprüche bleibt zwar steuerfrei. Mit Ihrem Geld beziehungsweise Ihrem Auszahlungsanspruch haben Sie aber einen neuen Vertrag über eine private Rentenversicherung abgeschlossen. Und damit ändert sich der Fall.

Rentenbezüge aus einer Leibrente sind nämlich prinzipiell steuerpflichtig, egal ob sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder einem privaten Rentenversicherungsvertrag geleistet werden. Bei einer gesetzlichen Rente sind die Bezüge für Menschen, die 2005 in Rente gegangen sind, mit einem Anteil von 50 Prozent der Besteuerung zugrunde zu legen. Wer im Jahr 2006 erstmals Rentner geworden ist, muss lebenslang 52 Prozent der Rente versteuern. Für jeden Jahrgang, der später in Rente geht, steigt der steuerpflichtige Anteil an der gesetzlichen Rente.

Günstiger sind für Sie die Renten aus einem Vertrag, den Sie aus eigenen Leistungen (das ist der Einmalbeitrag aus Ihrer Lebensversicherungsleistung) erzielen. Hier richtet sich der Ertragsanteil nach Ihrem Lebensalter bei Beginn der Rente.

Sie sagen, Ihr Lebensalter von 60 war reichlich überschritten. Wenn Sie bei Beginn der Rente 62 Jahre alt waren, beträgt der steuerpflichtige Ertragsanteil 21 Prozent. Waren Sie 65 oder 66 Jahre alt, beträgt der steuerpflichtige Ertragsanteil 18 Prozent.

Das bedeutet beispielsweise: Geht man von einer monatlichen Rente in Höhe von 300 Euro aus, wären das jährlich 3600 Euro. Davon berechnet wird der Ertragsanteil. Bei 21 Prozent wären das 756 Euro abzüglich des Werbungskostenpauschbetrags von 102 Euro (falls dieser nicht schon bei der gesetzlichen Rente berücksichtigt worden ist). Es bleiben 654 Euro zu versteuern. Die Höhe der Steuer ist von Ihren weiteren Einkünften abhängig.

Aber bedenken Sie eines: Hätten Sie die ausgezahlte Versicherungssumme auf einem Sparkonto oder in einem Depot angelegt, unterlägen die dann erzielten Zinserträge auch der Steuer. Foto: Kai-Uwe Heinrich

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