Apfelsäfte im Test : Natürlich süß

Jedes dritte Produkt enttäuscht bei der Aromaqualität. Trotzdem schmecken fast alle gut.

Jahel Mielke
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Vom Baum ins Glas: Nur Direktsäfte sind frisch gepresst. -Foto: dpa-Zentralbild

Gerade beginnt in Deutschland die Apfelernte der Herbstsorten. In Brandenburg holten die Bauern nach Angaben des Landesverbandes Gartenbau im vergangenen Jahr insgesamt 36 000 Tonnen Äpfel ein, in ganz Deutschland waren es laut Bundeslandwirtschaftsministerium gut eine Million Tonnen. Die Früchte werden verkauft oder weiterverarbeitet, etwa zu Kuchen, Kompott oder Saft. Letzterer ist bei den Deutschen äußerst beliebt: 9,25 Liter Apfelsaft trank jeder Bundesbürger im Schnitt 2008. Damit steht das Getränk vor Orangen- und Traubensaft auf der Beliebtheitsskala. Äpfel aus heimischem Anbau werden oft frisch gepresst und zu Direktsaft verarbeitet. In Säften aus Konzentrat (siehe Kasten) landen Äpfel aus ganz Europa.

Die Stiftung Warentest hat von diesen beiden Safttypen 28 getestet, darunter 8 klare und 20 naturtrübe Sorten. Fast alle trüben sind Direktsäfte, die klaren im Test wurden aus Konzentrat hergestellt. Die Tester beurteilten Aussehen, Geschmack, Mundgefühl und Nachgeschmack. Im Labor wurde die chemische Zusammensetzung und die Aromaqualität geprüft sowie nach Schadstoffen gesucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nicht einmal die Hälfte der Säfte ist „gut“. Dieses Testurteil erreichten nur drei klare und acht naturtrübe Produkte. Testsieger bei den klaren Säften ist die Marke Rio d’Oro von Aldi Süd. Bei den Naturtrüben behauptete sich der Direktsaft von Libehna. „Mangelhaft“ waren der klare Saft von Lidl und die Naturtrüben von Becker’s Bester und Vorlo. Sie fielen im Aromatest durch, bei dem die für Äpfel charakteristischen Säuren und Ester im Saft bestimmt wurden. Der Direktsaft von Vorlo enthielt einen Aromastoff, der auf verdorbene Äpfel und Maische hinweist. Weil Fruchtsaft nur aus gesunden und reifen Früchten hergestellt werden darf, zählt das Produkt so nicht als richtiger Apfelsaft.

Auch der Naturtrübe von Becker’s Bester und der klare Lidl-Saft sind keine Apfelsäfte im Sinne der Fruchtsaftverordnung. Bei beiden wurde das Apfelaroma, das bei der Herstellung des Konzentrats verloren geht, nicht wieder ganz hergestellt. Insgesamt enttäuschten zehn Säfte in der Aromaqualität. Die Bioprodukte von Voelkel und Rabenhorst, erreichten erstaunlicherweise nur ein „ausreichend“. Die naturtrüben Säfte von Libehna, Albi und Penny überzeugen dagegen mit der Note „sehr gut“.

Beim Geschmackstest fielen abermals Vorlo, Becker’s Bester und der naturtrübe Lidl-Saft negativ auf. Alle klaren Säfte aus Konzentrat schmeckten den Testern gut.

Bei der Schadstoffprüfung schnitten fast alle Säfte sehr gut ab. Im Produkt von Werder Frucht fanden die Tester aber das Schimmelpilzgift Patulin, das durch angefaulte Früchte in den Saft gelangen kann. Die hierfür zulässige Höchstmenge ist 50 Mikrogramm pro Liter – Werder Frucht erreicht fast die Hälfte. Für Erwachsene ist dies nicht gefährlich, allerdings ist der Saft nicht für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet. Hierfür liegt die Höchstmenge bei zehn Mikrogramm pro Liter.

Auch von den guten Apfelsäften sollte man nicht zu viel trinken. Das Getränk enthält viel fruchteigenen Zucker und ist mit 100 Kilokalorien pro Glas mit Cola oder Orangensaft zu vergleichen. Wer nicht darauf verzichten will, kann zur Schorle greifen. Oder einfach einen Apfel essen.

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