Verbraucher : Auch für Menschen über 30

Flora Wisdorff

Das Testurteil: 7 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet ein Zelt Das letzte Mal war ich vor 16 Jahren zelten. Auf dem Interrail-Urlaub mit vier Freundinnen in Spanien und Portugal schliefen wir meist auf überfüllten Campingplätzen ohne Schatten, in einem Iglu-Zelt, das damals bestimmt nicht mehr als 50 Mark gekostet hat. Regen hätte es auf keinen Fall ausgehalten, aber es war mit zwei Stäben innerhalb von zehn Minuten aufgebaut, Heringe waren gar nicht nötig.

Trotz ungläubiger Kommentare von nahen Verwandten (Du gehst mit 32 Jahren noch zelten?) entschlossen zwei Freundinnen und ich uns, in Norditalien und Frankreich eine Rundreise mit dem Zelt zu machen. Hotelunterkünfte hätten unsere Gehälter überstrapaziert, außerdem hatten wir Lust auf Natur. Das Tundra III RT von Jack Wolfskin sollte uns beherbergen. Es ist ein so genanntes Tunnelzelt, das drei Personen Platz bieten soll, sagt der Hersteller.

Der erste Aufbau war etwas mühsam. aber das lag vielleicht auch daran, dass wir die Anleitung nicht so genau durchgelesen haben. Der erste Schritt ist simpel: Man muss lediglich die drei Stäbe in das Dach stecken, die dann den Tunnel bilden. Das Komplizierte kommt danach, denn das Ganze muss mit den Heringen gespannt werden. Das ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit, da die Heringe das Zelt in bestimmte Richtungen ziehen müssen, damit es auch richtig steht. Glücklicherweise stattete uns ein mitfühlender Camping-Nachbar schnell mit einem Hammer aus – den braucht man unbedingt. Leider stand das Zelt danach noch ziemlich schief, aber das war uns egal.

Beim ersten Eintritt kam die richtige Enttäuschung: Für drei Personen ist das Schlafzelt definitiv nicht groß genug. Auf gar keinen Fall passen drei Isomatten nebeneinander hinein. Glücklicherweise hatten wir ein Zweitzelt dabei. Dagegen erwies sich der große Stauraum vor dem Schlafzelt – ein großer Vorteil der Tunnelzelte – als sehr geräumig und nützlich – vor allem, als das Zelt seine wahre Probe überstand. In Frankreich überraschte uns nämlich ein Regenguss beim Frühstück. Schnell flohen wir in den Vorraum, eigentlich Apsis genannt, wie mir ein erfahrener Camper inzwischen beibrachte. In der Apsis konnten wir bequem zu dritt kauern und weiter frühstücken. Nach dem zweiten Aufbau perfekt gespannt, überstand das Zelt einen Tag und eine Nacht Dauerregen anstandslos. Selbst der dünne Boden hielt dicht.

Das Jack Wolfskin Tundra III RT hat sich bewährt, es ist mit 4,6 Kilo ein relativ leichtes Zelt, das – allerdings nur für zwei Personen! – genügend Platz bietet und ohne allzu großen Aufwand aufzubauen ist. Mit 230 Euro ist es ein Mittelklasse-Zelt, das sich definitiv auch für unerfahrene Camper über 30 empfiehlt.

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