Verbraucher : Auf Nummer sicher

Wie Anleger ihre Depots gegen Terrorschocks und plötzliche Kursverluste absichern können

Henrik Mortsiefer

Es kann jeden Tag wieder passieren: Die Terroranschläge von London haben gezeigt, dass die Gefahr plötzlicher Schocks an den Finanzmärkten nicht gebannt ist. Zwar erholten sich Aktien-, Renten-, Devisen- und Rohstoffnotierungen nach dem Einbruch überraschend schnell. Doch die Nervosität ist geblieben. Und sie wächst nicht nur, weil neue Anschläge möglich sind. Auch der rasante Anstieg der Aktienkurse – der Dax hat in einem Jahr mehr als 1000 Punkte (plus 28 Prozent) gewonnen – macht die Profis unruhig. Viele erwarten einen Kursrückschlag noch in diesem Sommer. Wie können Anleger sich gegen plötzliche Wertverluste absichern?

Grundregel: Risiken streuen. Langfristig solide strukturierte Depots für den Alltagsgebrauch streuen das Risiko weltweit und auf verschiedene Anlageklassen. Beim Absturz der Kurse wird das Verlustrisiko so verteilt – und damit abgefedert. Faustregel: 100 minus Alter ist gleich Höhe des Aktienanteils. Der Rest des Depots verteilt sich auf Renten, Tagesgeld oder Immobilien. Aktien(fonds) sollten weltweit investieren und nicht auf eine Branche festgelegt sein. Bei Festverzinslichen (Bundesanleihen, Pfandbriefe, Rentenfonds) sollte man im Euroraum bleiben, um Währungsrisiken zu vermeiden.

Stopp-loss-Marken setzen. Wer Einzelaktien oder Indexprodukte in seinem Depot vor dem Sturzflug schützen will, setzt bei vorher festgelegten Kursen Verkaufsorders mit dem Zusatz Stopp-loss. Das Papier wird dann – gegen Gebühr – automatisch verkauft, sobald der definierte Kurs nach unten durchbrochen wird. Doch Vorsicht: Wer nicht bei jeder größeren Kursschwankung aus dem Markt fliegen will, setzt die Verkaufsmarke nicht zu eng am aktuellen Kurs. Risikoscheue Anleger sichern sich mit zehn bis 15 Prozent nach unten ab. Bei schwankungsanfälligen Aktien oder Indizes (etwa bei Technologiewerten) sollte die Marke großzügiger gesetzt werden. Und: Bei steigenden Kursen sollte der Stopp-loss nach oben angepasst werden.

Zertifikate mit Puffer. So genannte Discount-Zertifikate eignen sich für Anleger, die das Risiko von Kursverlusten abfedern wollen – und dafür im Gegenzug auf einen Teil ihrer Gewinnchancen verzichten. Das geht so: Der Dax notiert zurzeit bei 4660 Punkten. Ein Discount-Zertifikat auf den Dax ist immer um einen Abschlag (Discount) günstiger als ein vergleichbarer Index-Fonds oder ein Index-Zertifikat. Kauft man also zum Beispiel einen bis Dezember 2006 laufenden Dax-Discounter zum Preis von 41,59 Euro (entspricht einem Dax von 4159 Zählern) kann der Index in den kommenden 15 Monaten um rund elf Prozent fallen, ohne dass der Anleger einen Verluste erleidet. Der Preis: Ab einer bestimmten Obergrenze (Cap) profitiert der Anleger nicht mehr von Kurssteigerungen. Ein Nachteil: Potenzielle Dividenden werden nicht ausgeschüttet. Damit finanziert der Emittent des Zertifikats das Sicherheitspolster. Inzwischen gibt es auch spezielle Fonds, die in Discount-Zertifikate investieren.

Verkaufsoptionen. Fortgeschrittene Anleger können Depot-Positionen mit Verkaufsoptionen, so genannten Put-Optionsscheinen – absichern. Sinkt etwa der Kurs einer Aktie (oder ein Index-Papier), gewinnt die entsprechende Verkaufsoption auf diese Aktie an Wert und gleicht den Verlust aus. Der Preis des Optionsscheins wird als Versicherungsprämie angesehen, die der Anleger für den Ausgleich bezahlt.

Garantiefonds oder Garantiedepot. Bequemlichkeit hat ihren Preis. Anleger, die zu einem der vielen Garantieprodukte greifen, die die Banken seit dem letzten großen Börsencrash anbieten, muss dies zum Teil teuer bezahlen. Da die Anbieter Absicherungskosten in Rechnung stellen, fällt zudem die Rendite häufig mager aus. Und: Der Kapitalschutz wird nur zum Ende der Laufzeit garantiert. Wer vorher verkauft, muss verzichten. Doch Anleger können sich auch selbst ein Depot mit Kapitalsicherung zusammenstellen. Dabei werden Aktien und Fonds so mit Festverzinslichen kombiniert, dass auch bei Wertverlust der Aktien das eingesetzte Kapital erhalten bleibt (siehe Tagesspiegel vom 23. Juni oder www.finanztest.de/anlagestrategien).

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