Verbraucher : Aufstieg in die erste Klasse

Mit privaten Zusatzversicherungen können sich auch Kassenpatienten besser behandeln lassen

Maren Peters

Seit Anfang dieses Jahres ist alles anders. Für Brücken, Prothesen oder Kronen zahlen die Kassen keine prozentualen Zuschüsse mehr, sondern nur noch Festbeträge. Für Patienten, die mit Standardlösungen zufrieden sind, hat sich dadurch wenig geändert. Wer dagegen auf Extras Wert legt oder auf hochwertiges Material, muss nun tiefer in die Tasche greifen. Es sei denn, er hat eine private Zusatzversicherung abgeschlossen. Was diese Policen taugen, hat jetzt die Stiftung Warentest (Finanztest 10/2005) untersucht. Auch private Zusatzversicherungen für das Krankenhaus (Chefarztbehandlung, Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer) haben die Verbraucherschützer geprüft – und enorme Preisunterschiede festgestellt. 38 Euro monatlich zahlte der Modellkunde im günstigsten Fall (siehe Grafik) , 69 beim teuersten Anbieter, der Continentalen.

Eines vorab: Wenn der Zahn schon schmerzt und der Blinddarm zwickt, ist es zu spät. Zusatzversicherungen muss man frühzeitig abschließen. Beim Zahnersatz übernehmen die Versicherer in der Regel erst Monate nach Abschluss die Kosten, viele auch dann noch nicht in der vollen Höhe. Zudem sollten sich Menschen mit einigermaßen gesunden Zähnen fragen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass in absehbarer Zeit Zahnersatz fällig wird, gibt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten zu bedenken. Für viele rechne es sich nicht, jahrelang in eine Versicherung einzubezahlen.

ZÄHNE

Der Festzuschuss für Kronen, Brücken und Prothesen orientiert sich am Befund des Zahnarztes. Wer mehr will als die Standardversorgung, muss dafür zahlen. Für eine keramisch verblendete Inlay-Brücke müssen Patienten mindestens 300 Euro aus eigener Tasche aufbringen. Die höheren Kosten – oder zumindest einen Teil davon – kann man durch eine private Zusatzversicherung abdecken. Diese Zusatzversicherung deckt aber nie hundert Prozent der Mehrkosten ab.

Tipps: Die Versicherer übernehmen – je nach Tarif – sehr unterschiedliche Leistungen. So zahlen nicht alle für kieferorthopädische Behandlungen. Außerdem sollten sich Verbraucher genau ansehen, welche Wartezeiten im Vertrag stehen. Viele Anbieter haben zudem eine maximale Entschädigungssumme oder Staffelregelungen in ihren Verträgen. Sie zahlen im ersten Jahr zum Beispiel nur 250 Euro zum Zahnersatz dazu, im zweiten 250 Euro mehr, im dritten 750 Euro. Patienten sollten bei Extra-Behandlungen zudem bedenken, dass der Zahnarzt Mehrleistungen, die über den Kassenstandard hinausgehen, wie Leistungen für Privatpatienten abrechnet. Das kann teuer werden. Früher war das bis zum 2,3-fachen Gebührensatz möglich, heute sogar bis zum 3,5-fachen.

Die besten Policen: Wer über eine Zusatzversicherung nur den Eigenanteil am Zahnersatz senken will, ist nach Meinung von „Finanztest“ am besten beim Deutschen Ring aufgehoben (Tarif „dent 100“, Monatsbeitrag für einen 43-jährigen Mann: 20 Euro). Für Verbraucher, die eine Zusatzversicherung für Extras wie Inlays statt Amalgam wünschen, bieten die Barmenia („ZG“, Monatsbeitrag: 19 Euro) und die Arag („Z 100“, 22 Euro) die leistungsstärksten Tarife.

KRANKENHAUS

Wer auch als Kassenpatient wie ein privat Versicherter behandelt werden will, sollte über den Abschluss einer Krankenhauszusatzversicherung nachdenken. Sie bietet drei Vorteile: Patienten können sich vom Chefarzt behandeln lassen, dürfen im Ein- oder Zweibettzimmer liegen und sich bundesweit nach einem geeigneten Krankenhaus umsehen, Privatkliniken ausgenommen. Die Zusatzversicherung übernimmt dann die Mehrkosten. Bei Kassenpatienten zahlt die Kasse dagegen nur die Behandlung in der nächstgelegenen geeigneten Klinik.

Tipps: Wenn Sie eine Krankenhauszusatzpolice abschließen, sollten Sie auf folgende Mindestleistungen achten: Bei der Chefarztbehandlung sollte der Versicherer die Arzthonorare mindestens bis zum Höchstsatz der Gebührenordnung für Ärzte (3,5-facher Satz) übernehmen. Die Unterkunft sollte eine Wahlleistung sein, also je nach Tarif entweder Einbett- oder Zweibettzimmer. Außerdem sollte die Versicherung Ihnen die freie Wahl unter allen für gesetzlich Versicherte zugelassenen Kliniken einräumen.

Die besten Policen: Welche Zusatzversicherungen Testsieger bei der Unterbringung im Einbettzimmer waren, sehen Sie in unserer Tabelle. Bei den Zweibettzimmern für Männer schnitten die Angebote von Concordia, Arag und Debeka mit „sehr gut“ ab, bei Frauen die Tarife „GZ2“ der Victoria und der Tarif „WK100“ der Debeka.

Das ausführliche Testergebnis zu beiden Zusatzversicherungen können Sie in „Finanztest“ 10/2005 nachlesen.

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