Auto : Alles abwracken

Wer ein neues Auto kauft, kann die Versicherung wechseln – und dabei viel Geld sparen

Heike Jahberg

Deutschland wrackt ab. Rund 1,5 Millionen Anträge liegen bereits beim Bundesamt für Wirtschaft. Dahinter stehen 1,5 Millionen Autofahrer, die ihre alte Karre verschrotten lassen und sich einen Neu- oder Jahreswagen kaufen – mit finanzieller Unterstützung des Staates.

Das Konjunkturprogramm für die Autoindustrie bringt auch die Autoversicherer in Schwung. Denn wer ein neues Auto kauft, kann seine alte Versicherung sofort kündigen und sich den noch nicht verbrauchten Betrag auszahlen lassen. Kein Wunder also, dass die Versicherer derzeit um die Kunden kämpfen wie sonst nur zum alljährlichen Kündigungstermin im November.

Zehn Prozent Rabatt bietet etwa die Helvetia, wenn das Auto bei Vertragsbeginn nicht älter als drei Monate ist. Zehn Prozent Neuwagen-Rabatt gibt es auch beim ADAC und der Huk Coburg. Der HDI weitet den Neuwagennachlass auch auf Jahreswagen aus. Bei der Huk, dem ADAC und der Helvetia kann man den Neuwagenrabatt mit einem Öko-Rabatt für schadstoffarme Fahrzeuge oder alternative Antriebe kombinieren.

Die Nachfrage ist enorm. Von Januar bis Mitte Mai hatte die Huk Coburg rund 60 000 Verträge hinzugewonnen, sagt Firmensprecher Alois Schnitzer; „von Mitte Mai bis jetzt sind noch einmal 20 000 weitere Policen dazugekommen“. Die Marktanteile werden neu verteilt, weiß Schnitzer. Denn im Haftpflichtbereich bleibt die Zahl der Policen in etwa gleich, weil die neuen Wagen die alten ersetzen. Ein echtes Zusatzgeschäft blüht der Branche dagegen bei den Vollkaskoversicherungen. „Die Zahl der Vollkaskopolicen wird steigen“, vermutet Allianz-Sprecher Christian Weishuber. Denn je wertvoller der Wagen, desto wichtiger ist ein umfassender Versicherungsschutz (siehe Kasten).

Autokäufer haben es schwer, die für sie günstigste Versicherung herauszufinden. Doch spätestens, wenn das neue Auto geliefert wird, muss die Auswahl fest stehen. Wer auf eigene Faust versucht, den besten Anbieter zu finden, ist zum Scheitern verurteilt. „Die Versicherer überschlagen sich mit Rabatten für dieses und jenes“, berichtet Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, „niemand hat den Überblick über alle Angebote.“ Autofahrer sollten sich nicht von einzelnen Nachlässen blenden lassen, warnt der Verbraucherschützer – auch nicht von den Neuwagenrabatten. „Was nutzt mir der Rabatt, wenn der Versicherer einen hohen Grundbeitrag berechnet?“, fragt Grieble.

Wir wollten wissen, welche Versicherer Neuwagen wirklich günstig versichern. Wir haben daher die Versicherungsexperten des Internetportals „www.check24.de“ gebeten, für fünf besonders verkaufshäufige Kleinwagen den Tarifvergleich zu machen.

Das Fazit enttäuscht alle, die auf eine einfache Antwort gehofft hatten. Das Resümee lautet nämlich: Es kommt darauf an. Beim „Ford Fiesta“ und beim „Opel Corsa“ gehören mit der DEVK und der Huk24 – der Internettochter der Huk Coburg – zwei Versicherer zu den günstigsten Anbietern, die Neuwagen- beziehungsweise Umweltrabatte anbieten. Beim „Skoda Fabia“ sieht die Sache dagegen anders aus. Hier ist unter den günstigsten drei Versicherern keine Gesellschaft, die Rabatte für Neu- oder Ökoautos gewährt.

„Die Versicherer versuchen gerade, ihren Teil am Geschäft abzubekommen und werben deswegen vermehrt für Tarife mit Umwelt- und Ökorabatten“, sagt auch Daniel Friedheim von „Check24“. Diese Rabatte gebe es aber schon seit langem, weiß Friedheim. Und er warnt vor Lockvogelangeboten: Neu- oder Ökorabatte müssten nicht die günstigsten Angebote sein. „Der Verbraucher muss daher die einzelnen Versicherungen vergleichen“, sagt Friedheim.

Um die Mühe kommt man also nicht herum. Doch wer das tut, kann tatsächlich eine Menge Geld sparen, wie unsere Tabelle zeigt. Manchmal gelingt das auch, ohne die Versicherung zu wechseln. Wenn Sie gern bei Ihrer Gesellschaft bleiben möchten, sollten Sie Ihren Versicherer mit den billigeren Angeboten der Konkurrenz konfrontieren und ihn bitten, darauf zu reagieren. Oft kommen Bestandskunden so in den Genuss von Sonderangeboten, die eigentlich für Neukunden reserviert sind.

Wer herausfinden will, welcher Versicherer den individuell günstigsten Tarif hat, kann sich unabhängig, aber gebührenpflichtig bei der Verbraucherzentrale oder einem Versicherungsberater informieren. Für 16 Euro kann man auch bei der Stiftung Warentest eine Analyse bestellen (www.test.de/kfz-analyse, einen Coupon findet man in der aktuellen Ausgabe von Finanztest 6/2009). Einen guten und kostenlosen Tarifvergleich führt aber auch das Onlineportal www.check24.de durch, das auch unsere Beispielrechnungen angefertigt hat.

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