Autoversicherung : Die Wechselsaison ist eröffnet

Wer seine Autoversicherung bis Ende November kündigt, kann hunderte Euro sparen. Aber die Allianz und Ergo koppeln sich ab.

Heike Jahberg

Autoversicherer sind erfinderisch. Mit immer neuen Extras versuchen sie, Kunden an sich zu binden. So verspricht die Zurich, auf die Beiträge zu verzichten, wenn die Versicherten arbeitslos werden. Direct Line zahlt Schulkindern, die wegen eines Unfalls ins Krankenhaus müssen, den Nachhilfelehrer, verletzte Haustiere werden auf Kosten der Versicherung vom Tierarzt versorgt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Chefarztbehandlung, Krankentagegeld oder eine auf zwei Jahre ausgedehnte Neuwagenentschädigung in der Kaskoversicherung sollen wechselwillige Autofahrer beeindrucken.„In dieser Wechselsaison versuchen die Versicherungen, im Kampf um den Kunden vermehrt mit verbesserten Leistungen und neuen Extras zu punkten“, sagt Daniel Friedheim vom unabhängigen Vergleichsportal Check24.de.

KÜNDIGUNG IM NOVEMBER

Noch drei Wochen haben Autobesitzer Zeit, ihrem Versicherer den Rücken zu kehren und zu einem günstigeren oder besseren Anbieter zu gehen. Bis zum 30. November muss gekündigt werden (Einschreiben/Rückschein), sonst verlängert sich die Versicherung um ein Jahr.

EINIGE SCHEREN AUS

Das gilt für die meisten Anbieter. Einige Gesellschaften haben sich jedoch vom 1. Januar als Termin der Hauptfälligkeit verabschiedet. Bei Direct Line laufen die Verträge unabhängig vom Kalenderjahr zwölf Monate, bei der Allianz und der Ergo-Gruppe (D.A.S., Hamburg-Mannheimer, Victoria) können die Kunden wählen, ob es bei der Hauptfälligkeit zum 1. Januar bleiben soll oder das Datum des Vertragsabschlusses entscheiden soll. Wer sich für letztere Variante entschieden hat und – gelockt durch die Abwrackprämie – im April oder Mai ein neues Auto gekauft hat, kann sich jetzt an der Schnäppchenjagd nicht beteiligen. Betreffen könnte das vor allem Allianz-Kunden. Denn die größte deutsche Versicherung ist in den Autohäusern sehr präsent. Viele Autokäufer haben zu ihrem Neuwagen die Police der Allianz gleich mitgekauft.

Die Versicherer werben für die neuen Vertragslaufzeiten. „Zum Jahresanfang bündeln sich allerlei Zahlungen“, erläutert Frank Sievers, im Ergo-Konzern für das Autoversicherungsgeschäft zuständig. Wer dann nicht auch noch die Prämie für die Autoversicherung zahlen müsse, gewinne Spielraum. Das sieht man auch bei der Allianz so. Zudem will sich der Branchenprimus dem alljährlichen Wechselkarussell und dem Preiskampf mit günstigeren Anbietern entziehen. „Wir wollen weg vom reinen Preisvergleich“, sagt Sprecher Christian Weishuber.

SCHWIERIGER VERGLEICH

Zur Intransparenz auf dem Markt trägt jedoch auch die Allianz bei. So kann man bei ihr eine Autoversicherung klassisch beim Vertreter abschließen und dort zwischen einem Premium- und einem abgespeckten Basistarif wählen. Dann gibt es für die Agenturen auch noch einen speziellen Online-Tarif – bei einem Schaden kann man sich aber auch an die Agentur wenden. Das billigste Allianz-Angebot kommt von der neuen Internettochter Allsecur, die die alte Allianz24 abgelöst hat.

HARTER PREISKAMPF

117 Autoversicherer gibt es in Deutschland. Die meisten von ihnen bieten inzwischen verschiedene Tarife mit verschiedenen Leistungen an, zudem tüfteln sie immer neue Rabatte für bestimmte Kundengruppen aus. Obwohl die Branche rote Zahlen schreibt, hält der Preiskampf an. „In den jungen Jahren schließen die Kunden eine Autoversicherung ab, später brauchen sie dann eine Hausrat- oder Lebensversicherung“, sagt Alois Schnitzer von der Huk Coburg. Um die Kunden früh an sich zu binden, bringen die Versicherer Opfer: „Die Prämien liegen auf dem Niveau, das wir Anfang der 80er Jahre hatten“, sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Kostendeckend ist das nicht: Für 2009 rechnet der Verband in der Autoversicherung mit einem Verlust von rund 500 Millionen Euro.

DIE BILLIGSTEN VERSICHERER

Vom Preiskampf profitieren die Kunden. „Erstwechsler – also Kunden, die schon länger nicht mehr den Versicherer ausgetauscht haben – können bis zu 500 Euro im Jahr sparen, wenn sie von ihrer bestehenden Police auf eine günstigere umsteigen“, sagt Friedheim von Check24.de. Für den Tagesspiegel haben die Experten des Internetportals recherchiert, welche Versicherungen für eine Berliner Familie, ein Vielfahrer-Paar und für einen Single am günstigsten sind. Im ersten Fall lebt der Nachwuchs bei den Eltern, ist aber noch zu jung, um selbst Auto zu fahren, in der zweiten Variante setzen sich auch die Kinder hinters Steuer des Familienautos.

VOLL- ODER TEILKASKO

Alle Beispielrechnungen gehen von Vollkasko aus. Anders als die Haftpflichtversicherung, die nur einspringt, wenn man jemand anders einen Schaden zufügt, übernimmt die Kaskoversicherung Schäden am eigenen Auto. Die Teilkasko deckt etwa Diebstahl-, Feuer- oder Unwetterschäden ab und springt auch ein, wenn Brandstifter – wie in Berlin – Autos abfackeln. Die Vollkaskoversicherung ersetzt ferner auch selbst verschuldete Schäden und gleicht alle Beschädigungen aus, die durch Vandalismus entstanden sind.

Mit Vollkasko hat man automatisch auch Teilkasko. Allerdings wird der jeweilige Schaden danach reguliert, ob es sich um einen Voll- oder Teilkaskoschaden handelt. Das kann entscheidend sein: In den Beispielen gibt es für Voll- und Teilkasko unterschiedliche Selbstbehalte. Praktisch heißt das: Wird das Auto gestohlen, müssen die Beispielhaushalte 150 Euro selber tragen. Fährt man das Auto gegen die Garagenwand, sind es 300 Euro.

Der Vergleich zeigt: Unter den billigsten Versicherungen finden sich besonders häufig Internetanbieter. Wer Wert auf einen Ansprechpartner vor Ort legt, ist nach Meinung der Stiftung Warentest bei der DEVK oder der Huk Coburg gut bedient. Auch Kunden der Internettochter Huk24 können sich bei einem Schaden an einen Außendienstmitarbeiter wenden.

RABATTE

Mit Rabatten belohnen die Versicherer Kunden, die wenig schadensträchtig sind – Eigenheimbesitzer, Garagenparker, Beamte, Eltern, Bahncard-Besitzer und Frauen. Dagegen sind die Versicherungen für Fahranfänger besonders teuer. Allerdings können junge Fahrer die Kosten senken, wenn sie ihren Führerschein mit 17 machen und dann ein Jahr lang in Begleitung eines mindestens 30-Jährigen fahren.

Auch wer verspricht, sein Auto nach einem Kaskoschaden in eine bestimmte Werkstatt zu bringen, bekommt einen satten Nachlass in der Kaskoversicherung. 20 Prozent sind es bei der Huk Coburg. Das Modell zieht weitere Kreise: Andere Versicherer möchten jetzt mitmachen – die Generali, die Concordia, die Gothaer und die VHV wollen das Netz der Huk-Partnerwerkstätten mitnutzen.

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