Autoversicherungen : Im November wechseln und sparen

Die Rabattschlacht der Autoversicherer geht weiter. Daran ändert auch die Pleite einiger Billiganbieter nichts. Die Kunden profitieren.

von und Laura Höflinger

Ist die Zeit der Schnäppchenjagd in der Autoversicherung vorbei? Die Pleite der Billigversicherer Ineas und Lady-Car-Online (siehe Kasten) und der Rückzug der Internet-Versicherung Admiral Direkt aus Deutschland könnten dafür sprechen, dass nach jahrelangen Rabattschlachten jetzt eine Konsolidierung auf dem hart umkämpften Markt einsetzt.

„Viele Versicherer haben in der Autoversicherung rote Zahlen geschrieben“, sagt Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied des Bundes der Versicherten (BdV). Nur mit Hilfe ihrer Kapitalerträge hätten die Gesellschaften unterm Strich auskömmlich wirtschaften können. Angesichts der Zinsflaute an den internationalen Kapitalmärkten seien diese Zeiten jedoch vorbei. „Die meisten Unternehmen werden ihre Preise leicht erhöhen“, glaubt Rudnik. Der Versicherungsverband hält dagegen. Die Beiträge werden weiter sinken, meint Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) – zum siebten Mal in Folge.

160 TARIFE ZUR WAHL

Der alljährliche Herbst-Preiskampf der 80 deutschen Kfz-Versicherer hat begonnen. Autofahrer können sich zwischen 160 unterschiedlichen Tarifen entscheiden. Um den günstigsten Anbieter zu finden, lassen sich immer mehr Verbraucher im Internet individuelle Tarifvergleiche erstellen. Das ist auch sinnvoll. Denn wer bei einem teuren Anbieter versichert ist, kann durch den Wechsel Hunderte Euro sparen. Knapp 450 Euro im Jahr sind es in Berlin bei einer Familie, rund 415 Euro bei einer jungen Autofahrerin und 312 Euro bei einem Durchschnittsfahrer, hat das Internetportal Check 24 (www.check24.de) ausgerechnet (siehe Tabelle).

FAHRANFÄNGER

Vor allem Fahranfänger sollten die Preise vergleichen. Das zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest (Finanztest 11/2010). Das billigste Angebot für einen 19-jährigen Anfänger, der einen sechs Jahre alten Ford Fiesta fährt, kommt mit 1077 Euro (Haftpflicht plus Teilkasko) von der WGV, der teuerste Tarif liegt mit 3484 Euro mehr als dreimal so hoch. Etwas billiger wird es, wenn Führerscheinneulinge am „begleiteten Fahren“ teilnehmen: Ab dem nächsten Jahr können junge Leute ihre Führerscheinprüfung schon mit 17 Jahren machen, dürfen zunächst aber nur in Begleitung eines Erwachsenen hinters Steuer. Fahranfänger können auch noch anders Versicherungsbeiträge sparen. Sie können das Auto von ihren Eltern als Zweitwagen anmelden lassen oder einen eigenen Vertrag bei der Gesellschaft abschließen, bei der auch die Eltern unter Vertrag sind.

FRIST BIS ENDE NOVEMBER

Die meisten der rund 40 Millionen Kfz-Halter müssen sich jetzt überlegen, ob sie wechseln wollen. Denn obwohl es inzwischen auch andere Laufzeiten gibt, endet das Gros der Verträge nach wie vor zum 31. Dezember. „Die Kündigung des alten Vertrages muss nachweisbar bis zum 30. November beim Kfz-Versicherer sein“, betont Lilo Blunck vom BdV, „am besten per Einschreiben/Rückschein.“ Oft geht der eigene Versicherer aber auch mit den Beiträgen herunter, wenn man mit dem Wechsel zu einer anderen Gesellschaft droht.

AUF DEN INHALT ACHTEN

Acht von zehn Leuten entscheiden sich beim Vergleich für die günstigste Autoversicherung, weiß Daniel Dodt vom Internetportal Toptarif. Das ist kurzsichtig, findet Peter Schütt von der Verbraucherzentrale Berlin. Man solle nicht nur auf den Preis schauen, sondern auch in die Vertragsbedingungen. Dodt empfiehlt, vor allem auf eine ausreichende Deckung zu achten. Diese sollte bei rund hundert Millionen Euro liegen. „Ein Unfall darf nicht existenzgefährdend sein“, sagt Dodt.

Außerdem sei es für den Kunden am günstigsten, den Beitrag an seinen Versicherer auf einmal zu zahlen, anstatt viertel- oder halbjährlich. Allerdings birgt dies das Risiko, dass das Geld weg ist, wenn der Versicherer pleite geht. Verbraucherschützer halten die Gefahr, dass weitere Gesellschaften aufgeben müssen, jedoch für sehr gering. Das seien Einzelfälle in Jahrzehnten, sagt Verbraucherschützer Schütt. Trotzdem sollten die Kunden nicht nur nach dem Preis gehen, sondern auch prüfen, wie solvent ein Unternehmen ist, fordert Alois Schnitzer von der Huk-Coburg. Zumal Direktversicherungen wie die Huk24, Cosmos und Europa durchaus mit den Tarifen von Ineas und Lady-Car mithalten konnten, wie BdV-Vertreter Rudnik zu bedenken gibt.

GÜNSTIGE ANBIETER

In den Tests der Stiftung Warentest haben es die WGV, die Huk24 und Direct Line regelmäßig unter die besten zehn geschafft. Allerdings kann man diese nur per Telefon, Internet oder Post erreichen. Bei den Firmen, die Vertreter vor Ort haben, gehören die Huk-Coburg und die OVAG zu den günstigsten Anbietern.

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