Verbraucher : Bad Vibrations

Henrik Mortsiefer

DAS TESTURTEIL: 7 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet eine Handy-Freisprecheinrichtung Erstaunlich, wie schnell man manchmal Sinn und Zweck des technischen Fortschritts begreift. Begreifen muss. Zum Beispiel, weil einem die rot leuchtende Kelle eines Verkehrspolizisten vor die Nase gehalten wird. Der Hüter des Gesetzes, der mich neulich an einem entspannten Sonntag in Zivil überholte, hatte bemerkt, dass ich im Auto telefonierte. Er zog mich aus dem Verkehr und drohte mit Strafe. 100 Euro und ein Punkt in Flensburg.

Man stelle sich das vor: Das Telefonat hatte eine halbe Minute gedauert. 100 Euro für 30 Sekunden! Was mich besonders wurmte, war die Tatsache, dass ich kurz zuvor versucht hatte, mit einer Freisprecheinrichtung – einem so genannten Bluetooth-Headset – zu telefonieren. Ganz legal. Und ohne Kabel. Leider war das Hörgerät nicht angesprungen, als ich die Nummer eines Freundes wählte. Fatalerweise rief dieser dann zurück und ich musste zum Handy greifen, weil das Headset tot blieb. Und just in diesem Moment fischte mich der Polizist von der Straße. Mir war klar, dass ich mich mit der Bedienungsanleitung des Gerätes beschäftigen musste.

Es hat sich gelohnt. Denn das Headset Jabra BT 800 dürfte den Stand der mobilen Freisprechtechnik in sich vereinen: blau schimmerndes Display, fünf Klingeltöne, Vibrationsalarm, sechs Stunden Gesprächszeit, Bluetooth, USB-Schnittstelle für den Ladevorgang – und das bei rund 25 Gramm. Toll. Besonderer Clou: Über zwei Tasten und ein kleines Menü kann man vom Headset aus das Handy ansteuern. Die digitale Signalsteuerung gewährleistet dabei brillante Tonqualität. Der seitlich angebrachte „Jog Wheel“ dient als Lautstärkeregler. Der Griff zum Telefon – Vergangenheit. So weit die Theorie.

In der Praxis erweist sich die Fernsteuerung als unsinnig. Warum sollte man – zumal während der Fahrt – an einem Ohrstecker mit Minidisplay herumfummeln, wenn man mit einem Knopfdruck auch gleich das Handy in Gang setzen kann, um schnurlos zu telefonieren? Und dann der Vibrationsalarm. Schlimm genug, dass einem direkt in den Gehörgang geklingelt wird. Dass das Headset dabei aber auch noch vibriert, macht einen nicht sicherer, sondern fahruntüchtig. Und: Ob hinter dem linken oder rechten Ohr – das Jabra BT 800 trägt sich schlecht. Die kleine Box wirkt klobig und sie drückt. Nicht gekauft habe ich das Gerät aber aus einem anderen Grund: Mit 149 Euro ist es teuer. Alternativen mit etwas weniger Ausstattung sind preiswerter zu haben.

Übrigens: Der Verkehrspolizist hat mich laufen lassen. Er hatte wohl verstanden, dass mich die Technik des Jabra überfordert hatte. Danke!

0 Kommentare

Neuester Kommentar