Verbraucher : Baden gehn

Die Hitze des Vorjahres hat den Seen kaum geschadet / Neue EU-Richtlinie soll die Gewässer noch klarer machen

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Die Qualität der Badegewässer in Europa soll besser werden. Der Rat der EUUmweltminister hat am Dienstag eine Novelle der Badegewässerverordnung beschlossen, die strengere Grenzwerte und Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität vorsieht. Nach zähen Verhandlungen konnte sich Umweltminister Jürgen Trittin gegen den Widerstand der meisten anderen Mitgliedsstaaten durchsetzen, die eine Verschlechterung der Grenzwerte gefordert hatten. Bis die Verordnung in nationales Recht umgesetzt wird, dauert es aber noch. Sie muss erst vom Europaparlament gebilligt werden.

„Manche Länder haben befürchtet, dass viele ihrer Badestellen über den Grenzwerten liegen und damit nicht mehr als solche ausgewiesen werden dürfen“, sagt Regine Szewzyk, Mikrobiologin im Umweltbundesamt. Nach der neuen Richtlinie werden die Grenzwerte für die Küsten verschärft, für Binnengewässer bleiben sie gleich. Zusätzlich sollen die Länder künftig nicht nur Messergebnisse sammeln und veröffentlichen, sondern für jeden See und jeden Strand mögliche Verschmutzungsquellen identifizieren und Gegenmaßnahmen einleiten. Passiert nichts, dürfen die Gewässer nicht mehr als Badestellen benannt werden.

In Berlin sind seit dem letzten Jahr zwölf offizielle Badestellen gestrichen worden, darunter der Grunewaldsee, die Kaulsdorfer Seen und der seit Jahren problematische Halensee. Das Gewässer liegt in einer Senke, deshalb wird bei starkem Regen besonders viel Schmutz in den See gespült, was die Wasserqualität beeinträchtigt. Das Freibad Halensee wurde geschlossen. In Berlin gilt seit November eine neue Badegewässerverordnung. Im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern darf in Berlin nur noch dort gebadet werden, wo es ausdrücklich erlaubt ist. „An allen anderen Stellen ist das Baden verboten und kann mit einem Bußgeld von 20 Euro belegt werden“, sagt Robert Rath vom Landesgesundheitsamt Berlin. Damit solle die Umwelt geschützt und die Gefahr von Badeunfällen verringert werden.

Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest ist die Wasserqualität der Berliner und Brandenburger Seen überwiegend gut. In Berlin fiel nur der Halensee durch besonders schlechte Messwerte auf, in Brandenburg wurden drei Seen beanstandet. Erhoben wurden die Daten während der Badesaison des vergangenen Jahres, als der heiße Sommer die Algen blühen ließ. „Zu viele Algen rauben dem See den Sauerstoff und können im Extremfall zu einem Fischsterben führen“, sagt Jens-Uwe Schade vom Umweltministerium Brandenburg. Zudem trüben die Algen das Wasser, was bei Badeunfällen die Rettung erschwert.

Ansonsten hat das heiße Wetter des Vorjahres den Badeseen nicht geschadet, sagt Regine Szewzyk vom Umweltbundesamt: „Die Sonne tötet viele Krankheitserreger, was den Gewässern gut tut.“ Außerdem würden bei wenig Regen auch wenig Düngemittel oder anderer Schmutz in die Seen gespült. Ob sich die Qualität der Badestellen mit dem vielen Regen in diesem Jahr verschlechtert, sei aber noch nicht abzusehen. Die Badesaison läuft noch bis Mitte September. Aktuelle Daten über einzelne Seen und Strände erhalten Badefreunde auf den Webseiten der zuständigen Länderministerien. Eine Übersicht hat das Bundesumweltministerium unter www.bmu.de zusammengestellt. msh

Die Testen-Seite entsteht in Kooperation mit der Stiftung Warentest

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