Billigflieger : Im Gebührendschungel gelandet

Wie günstig die Billigflieger Ryanair, Easyjet und Co. wirklich sind und wie man beim Buchen sparen kann.

Svenja Markert
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Tricks erkennen. Ryanair - Europas größter Billigflieger - landet in Berlin auf dem Flughafen Schönefeld. Verbraucher, die beim...Foto: ddp

Toilettengebühren und Stehplätze – der weltgrößte Billigflieger Ryanair hat sich erst vergangene Woche wieder mit seinen radikalen Sparplänen ins Gespräch gebracht. Fluglinien mit ähnlichen Geschäftsmodellen versprechen günstige Preise ohne Schnickschnack. Doch so mancher Kunde ist erstaunt, wie schnell sich das vermeintliche Schnäppchen bei einem Billigflieger in einen gepfefferten Preis verwandeln kann.

Obwohl die EU den Gesellschaften vorschreibt, nur mit Endpreisen zu werben, schlagen viele Billigflieger dennoch Gebühren drauf – zum Beispiel beim Bezahlen. „Nicht immer sind die Billiganbieter die günstigste Variante, es kann auch eine herkömmliche Fluggesellschaft sein“, sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest. Auch die etablierten Fluggesellschaften bieten oft Billigtarife an. Umschifft man die Gebührenfallen und schaut nur auf den Ticketpreis, punkten die Billigflieger dennoch oft. Bei einem Vergleich der Stiftung Warentest von zehn Airlines erhielten die Testkäufer bei Ryanair und Easyjet die günstigsten Tickets.

RECHTZEITIG BUCHEN

Das Kontingent der billigen Tickets ist jedoch begrenzt. „Obwohl Anbieter mit einem billigen Flugpreis werben, ist er dann tatsächlich nicht mehr buchbar“, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Warentester Murko empfiehlt, drei Monate vorher zu buchen. „Es wird immer teurer, je näher das Datum rückt.“ Preise gelten nur für einen Weg, das heißt: Oft bekommt man zwar ein günstiges Ticket, aber nicht für Hin- und Rückflug. Die größte Chance auf einen günstigen Flug hat man, wenn man zeitlich flexibel ist. Oft ist Fliegen unter der Woche deutlich günstiger als Samstags und Sonntags.

UMBUCHUNGEN

Kunden sollten erst buchen, wenn sie sich sicher sind, dass sie an dem jeweiligen Datum auch Zeit haben. „Wer umbuchen will, zahlt fünf bis 20 Euro pro Strecke“, erklärt Fischer-Volk. Wenn Kunden den Flug gar nicht mehr antreten wollen, dann sind Fluggesellschaften verpflichtet, Gebühren und Steuern zurückzuzahlen. „Dem Kunden wird das nicht leicht gemacht. Wenn er überhaupt etwas zurück bekommt, ist es meist viel weniger, als die Steuern und Gebühren vorher ausmachten“, sagt Murko. In einem solchen Fall rät Fischer-Volk, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr zu wenden.

VERSTECKTE KOSTEN

Bei Billigfliegern läuft die Buchung meist über das Internet oder über ein Call-Center. Am Telefon können Extra-Gebühren entstehen durch 0900-Nummern oder einmalige Service-Pauschalen. Ein Vergleich der Stiftung Warentest zeigt: Bei den Billig-Airlines sind die Informationen oft unübersichtlich. Da kann es sein, dass Kunden eine Reiserücktrittsversicherung buchen – ohne, dass sie es wollten. Am transparentesten sind demnach die Informationen und Buchung vor allem bei Air Berlin, British Airways und Lufthansa. Bei den Konkurrenten sind die Gebühren oft versteckt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat Anbieter bereits abgemahnt und Sammelklagen eingereicht. Trotzdem machen viele mit den versteckten Kosten weiter.



GEPÄCK

Bei den Billiganbietern fliegt man am besten mit leichtem Gepäck, denn bei vielen muss inzwischen extra bezahlt werden. Vor allem bei Ryanair greifen Reisende für Koffer, Rucksäcke und Ähnliches tief in den Geldbeutel. Hier kostet das erste Gepäckstück 15 Euro, das zweite 35 Euro. Für die Hauptreisezeit Juli und August hat Europas größter Billigflieger die Gebühren jetzt sogar auf 20 Euro erhöht. Bei Germanwings kostet das Stück acht Euro, wie bei Easyjet. Bei Air Berlin und Lufthansa gibt es Freigepäck. Am besten gibt man die Koffer schon bei der OnlineBuchung an, ohne Anmeldung zahlen Passagiere noch mehr. Bei Ryanair kostet der erste Koffer, der erst am Flughafen angegeben wird, 35 Euro, der zweite 70.

ZAHLUNGSGEBÜHREN

Beim Bezahlen ist Lastschrift meist günstiger als die Kreditkarte. Für einen Hin- und Rückflug macht dies fünf bis zehn Euro aus. Eigentlich bieten alle Fluggesellschaften ein kostenloses Bezahlsystem an. Bei Ryanair zum Beispiel ist es eine Prepaid-Bezahlkarte, die wenig verbreitet ist. Von daher müssen die meisten Kunden tatsächlich dafür zahlen, dass sie zahlen dürfen. Diesen Mai will der Bundesgerichtshof entscheiden, ob derartige Gebühren für die Kredit- und EC-Karte rechtens sind.

SONSTIGE GEBÜHREN

Dazu können noch Check-in-Gebühr, Abfertigungsgebühr, Service Charge oder Kerosinzuschläge kommen. Billigflieger bieten meist auch andere kostenpflichtige Dienstleistungen an – von der Sitzplatzreservierung bis hin zur bevorzugten Behandlung beim Einstieg. Will man günstig reisen, sollten Kunden beim Ausfüllen der Onlinemaske drauf achten, dass hier keine Häkchen gesetzt sind. Besonders tückisch: Voreinstellungen. Diese sind so nicht erlaubt, werden aber trotzdem verwendet. „Bei der langen Liste muss man genau aufpassen, dass man nicht aus Versehen das bucht, was man genau nicht will“, sagt Murko.

KLEINE FLUGHÄFEN

Da viele Billiganbieter kleine Flughäfen anfliegen, sollten die Anfahrtswege berücksichtigt werden. Frankfurt (Hahn) ist nicht der Flughafen Frankfurt/Main. Für die Zeit im Flieger lohnt es sich außerdem, sein Essen mitzunehmen – bei Ryanair und Co. gibt es kein kostenloses Essen an Bord. Auch sonst fehlt es an Komfort, zum Beispiel haben Kunden hier weniger Beinfreiheit. Wer nicht nur auf den Preis schaut, sondern auch den Service schätzt, ist bei Billigfliegern nicht richtig, sagt Fischer-Volk. „Günstig und Service gibt es nicht.“

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