Billigflüge im Test : Abheben für wenig Geld

Bei Discount-Flügen gibt es meilenweite Unterschiede: Niedrige Preise oder guter Service – beides zusammen gibt es nicht. Echte Schnäppchen sind selten.

Yasmin El-Sharif
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Stiftung Warentest: Nur drei von elf Fluggesellschaften bieten echte Schnäppchen. -Foto: ddp

Das Prinzip kennt man aus dem Discounter: niedrige Preise, dafür wenig Service. Was bei den Kunden am Boden gut ankommt, hat sich inzwischen auch in der Luft bewährt. So sind Flugtickets für 20 Euro schon längst keine Seltenheit mehr. Die irische Gesellschaft Ryanair hat es vorgemacht, Easyjet, Germanwings und weitere folgten. Ihr großer Erfolg ist auch an den großen Liniengesellschaften nicht spurlos vorbeigegangen. So haben auch sie nach und nach Schnäppchenflüge mit in ihr Angebot genommen.

Aber ob die Preise immer garantiert niedrig sind und wie viel Service für das kleine Geld überhaupt noch drin ist, hat die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Test untersucht. Dafür hat sie sechs Billigheimer und fünf große Fluggesellschaften miteinander verglichen. Getestet wurden Strecken von mehreren deutschen Flughäfen aus nach London, Palma de Mallorca, Paris und Rom. Hinzu kamen noch einige innerdeutsche Flüge alle mit dem Ziel Berlin.

Das Ergebnis: An die billigen Flüge von Ryanair und Easyjet, die Flüge ab 20 beziehungsweise rund 40 Euro anbieten, reicht kaum eine Gesellschaft heran. Bei den deutschen Linien hat Germanwings die Nase vorn. Tuifly, Air Berlin und besonders Condor verlangen deutlich mehr für ihre Flugtickets.

Die Tester raten dazu, früh zu buchen, um die günstigsten Konditionen zu bekommen. Denn besonders bei den Linienfluggesellschaften schießen die Preise in die Höhe, je näher das Reisedatum rückt.

 Schon vor zwei Jahren hat die Stiftung Warentest mehrere Billiganbieter miteinander verglichen. Seitdem hätten einige Gesellschaften ihre Preise stark angehoben, stellen die Tester fest. Während Easyjet sein Preisniveau gehalten hat und Germanwings sowie Ryanair sogar etwas billiger geworden sind, kostet ein Rückflugticket bei drei Billigfluggesellschaften heute im Durchschnitt deutlich mehr: Bei Condor plus 87 Euro, bei Air Berlin plus 76 Euro und bei Tuifly zahlt man 70 Euro mehr. Dagegen sind die Preise bei vielen großen Fluggesellschaften gefallen.

Doch die Flugkarten wären wahrscheinlich nicht so günstig, wenn nicht an anderer Stelle gespart würde. So werden sie häufig mit unschönen Bedingungen verkauft, wie die Tester sagen. Wer zum Beispiel kurzfristig seinen Flug absagen muss, etwa weil der Arbeitgeber eine Urlaubssperre verhängt hat, hat das Nachsehen. Er muss nicht nur Storno bezahlen, sondern erhält auch die zusätzlich gezahlten Steuern und Gebühren nicht zurück. Dabei müssen sie rein rechtlich gesehen immer zurückgezahlt werden. Einige Linien behalten dieses Geld aber einfach, so auch Air Berlin, Ryanair, Easyjet und Germanwings. Das sei „mangelhaft“, wie die Tester meinen, und rechtswidrig. Die einzigen Gesellschaften, die sich hier verbraucherfreundlich zeigen, sind Condor und British Airways.

Wer immer auf den Preis schaut, kann offenbar keinen guten Service erwarten, schließen die Tester. Denn um die günstigen Tickets anbieten zu können, verzichten die Anbieter auf alles, was nicht unbedingt notwendig ist. Bordkarten mit Sitzplatzzuweisung haben die billigsten Linien ebenso gestrichen wie den bequemen Zugang zum Flugzeug über eine Flugbrücke. Der Sitzabstand in den Maschinen ist meist sehr gering. Bei Easyjet und Ryanair lassen sich zudem die Rückenlehnen nicht mehr verstellen. Die Tester attestierten ihnen zusammen mit Germanwings den schlechtesten Sitzkomfort. Zudem muss man für kleine Snacks an Bord hohe Preise zahlen. Air Berlin und Condor bieten dagegen einen guten Service. Dafür sind sie im Durchschnitt mindestens doppelt so teuer wie die anderen Billigairlines. Auch die meisten großen Linien schneiden beim Service „gut“ ab. Aber beim Preis können sie nicht mit den billigen mithalten.

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