Biosprit : Darauf müssen sich Autofahrer beim neuen E10 einstellen

Bio ist in. Und zwar in der gesamten EU. Deshalb hat die Kommission eine Richtlinie erlassen, die einen höheren Anteil an Biokraftstoffen vorsieht. Und jetzt geht es los. Was bedeutet das für Verbraucher.

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Fotos: dpa; Montage: Streuber
Fotos: dpa; Montage: StreuberFoto: dpa

Von Januar an gibt es an den Tankstellen einen neuen Kraftstoff mit dem Namen E10. Jedenfalls nach und nach. Alles in allem wird die Einführung des Biosprits vermutlich einige Monate in Anspruch nehmen. Der Marktführer Aral will bis Ende Januar so weit sein, Shell braucht etwas mehr Zeit. Der Aufwand für den neuen Sprit ist beträchtlich. Und er kostet mit Sicherheit mehr als das „alte“ Superbenzin.

Was ist E10?

E steht für Ethanol, die 10 gibt den Anteil von Ethanol im neuen Benzin an, also zehn Prozent. Bislang beträgt der Anteil des Ethanols im Benzin bis zu fünf Prozent. In den nächsten Monaten wird er sich nach und nach Richtung zehn Prozent bewegen. Ethanol ist ein Biokraftstoff, „der aus Pflanzen gewonnen wird, die umweltfreundlich angebaut werden“, wie die Autoindustrie reklamiert.

Warum gibt es das neue Benzin?

Mit dem zunehmenden Einsatz von Biokraftstoffen will die Politik das Klima schonen, denn im Vergleich zu den klassischen Kraftstoffen aus Öl verursachen die Biokraftstoffe weniger CO2. Zum anderen entlastet der Biosprit aus nachwachsenden Rohstoffen den Ölmarkt; die weltweiten Ölreserven reichen länger, wenn andere Stoffe verbrannt werden. Seit 2007 ist die Mineralölwirtschaft gesetzlich verpflichtet, Biokraftstoffe in den herkömmlichen Sprit zu mischen. Diesel kommt bislang auf einen Anteil von sieben Prozent, bei Benzin sind es bis zu fünf Prozent. Die neue Kraftstoffstrategie der Bundesregierung verpflichtet nun die Mineralölfirmen, im Laufe des Jahres 2011 an ihren Tankstellen flächendeckend Benzin anzubieten, das bis zu zehn Prozent Ethanol enthält.

Welche Autos können den Kraftstoff verwenden?

„E10 vertragen nur Fahrzeuge, die dafür ausgelegt sind.“ Diese beängstigende Aussage stammt von der Autoindustrie. Und es wird nicht besser: „Fahrzeuge, die E10 nicht vertragen, können bereits durch einmaliges Betanken mit E10 dauerhaft geschädigt werden.“ Denn Ethanol kann gefährlich sein, indem es zum Beispiel Aluminium angreift. Wenn also Aluminium in der Benzinpumpe oder irgendeiner Leitung oder im Motor verbaut wurde, sollte man auf den neuen Stoff besser verzichten. Das betrifft indes nur wenige Autos. Nach Angaben der Industrie können von den hierzulande gut 40 Millionen Pkw etwa 90 Prozent E10 tanken. Neufahrzeuge sind in der Regel E10-tauglich. Die übrigen zapfen besser weiter den unverändert verfügbaren Sprit mit maximal fünf Prozent Ethanol in den Tank.

Wo informiere ich mich über die E10-Tauglichkeit meines Autos?

Beim Marktführer VW sind rund zehn unterschiedliche Modelle beziehungsweise Baureihen nicht für E10 geeignet. Darunter der Golf IV FSI mit einem 1598 Kubikzentimeter Motor mit 81 PS, der zwischen der 45. Kalenderwoche 2001 und der 18. Kalenderwoche 2004 gebaut wurde. Es dürfte nicht immer einfach sein für die Autobesitzer, sicher herauszufinden, aus welcher Woche ihr Pkw stammt respektive welchen Sprit das Auto auch wirklich gut verträgt. Die meisten Hersteller haben deshalb Telefonhotlines eingerichtet. Diese Nummer und überhaupt eine Übersicht über alle nicht E10-verträglichen Modelle, geordnet nach Herstellern, gibt es im Internet unter www.dat.de/e10. Auch der Autohändler respektive die Autowerkstatt sollte Auskunft geben können, welche Modelle geeignet sind und welche nicht.

Wie erkennt man E10?

An der Zapfsäule für E10 steht der Name der Benzinsorte mit dem Namenszusatz E10. Also zum Beispiel „Super E10“. Die rund 14 000 Tankstellen in Deutschland werden derzeit umgerüstet – und das kann dauern. Die Säulen müssen umetikettiert werden, was bei der Kälte schwierig ist. „Die Etiketten werfen Beulen“, heißt es bei der Mineralölwirtschaft. Ferner sind die Säulen natürlich mit dem Kassensystem verbunden, für das nun eine neue Programmierung erforderlich ist. Schließlich sind die weithin sichtbaren Preismasten zu ergänzen. Auch das kann überaus aufwendig sein, wenn ein Kran oder eine Hebebühne erforderlich ist und Fräsarbeiten im Kunststoff anfallen. Und: Wie kommen Kräne zurzeit durch den Schnee?

Wie teuer wird das alles?

Schwer zu sagen. In jedem Fall wird Super E10 teurer sein als das gewohnte Super. Die Branche begründet das mit dem besonderen Mix, denn Benzin setzt sich – anders als Diesel – aus verschiedenen Stoffen zusammen. Dieser sogenannte Basiskraftstoff verdampft bei bestimmten Temperaturen bestimmte Anteile. Wenn nun mehr Ethanol beigemischt wird, verdampfen mehr Teile, als eigentlich verdampfen sollten. Deshalb müssen „Dampfdruck und Siedekurve“ im neuen Kraftstoff angepasst werden, was wiederum durch ein anderes Mischungsverhältnis erreicht wird. Nun ist es aber so, dass die Komponente, die aus dem Kraftstoff zugunsten des Ethanols entfernt wird, deutlich weniger kostet als das Ethanol. Im Ergebnis wird also der E10-Sprit teurer sein. Aller Voraussicht nach werden deshalb die Autofahrer weiter E5 zapfen – bis dann die Mineralölkonzerne die Preise anpassen. Und womöglich mit einer Erhöhung von E5 einen hübschen Zusatzgewinn einfahren. Oder die Konzerne wählen die goldene Mitte: Sie gehen mit dem E10-Preis etwas runter und erhöhen gleichzeitig den Preis des herkömmlichen Sprits. Denn nur bei identischem Preis wird sich der Anteil des Biosprits erhöhen lassen. Tendenziell, das zeigt die Entwicklung in 2010, wird der Kraftstoff teurer. Die Preise stiegen in diesem Jahr um zwölf Cent je Liter und liegen gegenwärtig unter ihrem Höchststand. Auf einzelne Monate bezogen war Benzin im Februar mit 1,36 Euro am günstigsten und im Dezember mit 1,48 Euro im Schnitt am teuersten. Diesel verteuerte sich sogar binnen Jahresfrist um 15 Cent und kostete im Dezemberdurchschnitt 1,31 Euro je Liter, wie Marktführer Aral jetzt mitteilte. Benzin- und Dieselpreis sind gekoppelt an den Rohölpreis. Hier kostete das Barrel (159 Liter) im Januar noch rund 75 Dollar und im Dezember etwa 90 Dollar. Das ist noch deutlich unter den Höchstpreisen vor zwei Jahren. Im Zug der Weltwirtschaftskrise brach der Preis ein. Nun dreht sich das wieder. Hinzu kommt, dass die Ölförderung bald ihren Höhepunkt erreicht – es gibt also weniger von diesem Schmiermittel der Weltwirtschaft. Umso rentabler werden Alternativen. Wie eben Ethanol im Super E10.

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