Verbraucher : Brennnessel für schönes Haar

Ulrike Simon

DAS TESTURTEIL: 9 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet ein Wachs-Gel Manchmal wünsche ich mir andere Haare: ohne Wellen und nicht so fluffig. Tägliches Waschen hilft zwar, zumal das kalkreiche Berliner Wasser den Haarfestiger ersetzt. Aber ohne ein Produkt, das die Haare einigermaßen zusammenhält, komme ich nicht aus. Bloß welches?

Im Badezimmer ist über die Jahre eine ansehnliche Sammlung von Wachs- und Gel-Produkten entstanden. Eines der Gels fühlte sich schön weich an, wenn man die Finger in die hellblaue Dose steckte. In die Haare geschmiert war es allerdings eklig glibberig. Und nach einer halben Stunde hatte dieses Gel eine derart feste Konsistenz angenommen, dass ich Angst hatte, mir ganze Büschel herauszubrechen, wenn ich mit den Händen durch die betonharten Haare fuhr. Wenigstens spülte sich das Ganze beim Waschen aus.

Anders als der Inhalt dieser giftgrünen Dose. Die Haare sahen nach ein paar Tagen so schmierig aus, dass ich zum Friseur bin. Fünfmal hintereinander wusch er mir mit einem Spezialmittel den Kopf, bis dieses zähe Wachs halbwegs raus war. Nach der Prozedur zwang mir mein Friseur das Versprechen ab, dieses Klebezeug nie, nie wieder zu benutzen. Stattdessen wollte er mir eine Tube Wachs-Gel verkaufen. Ich fürchtete, er wolle mir etwas andrehen – zumal neun Euro kein Pappenstiel sind. Da ich mich aber schon genug vor ihm geschämt hatte, kaufte ich es ihm eben ab.

C:EHKO und „Ewald Haar Konzept“ steht in roten Buchstaben auf der silbergrauen Tube. „Perfektes Styling und seidigen Glanz, ohne das Haar zu beschweren“, verspricht der Hersteller. Das hatten alle anderen auch versprochen. Dieser hier schreibt es sogar auf Russisch mit kyrillischen Schriftzeichen auf die Tube. Brennnessel und Schachtelhalmextrakt sind in dem Wachs-Gel enthalten, einige weniger natürlich wirkende Inhaltsstoffe stehen im Kleingedruckten. Ich probierte es aus, drückte das weiße Zeug aus der Tube, verrieb es wie vorgeschrieben in der Handinnenfläche und knetete es in die trockenen Haare. Es funktioniert! Es hält die Wellen zusammen, die Haare glänzen wirklich und wenn man mit der Hand durchfährt, fühlt sich alles normal an. Das Schöne dabei: Die Tube kostet zwar neun Euro, und ich habe keine Ahnung, wo dieses C:EHKO anderswo als bei meinem Friseur in der Bornholmer Straße erhältlich ist. Dafür hält es aber mehrere Monate. Nur einen Nachteil hat diese Tube. Nach etwa acht Wochen im täglichen Gebrauch geht die Drückerei und Quetscherei los. Dann ist zwar immer noch jede Menge in der Tube. Das herauszuwringen, nervt aber ziemlich. Trotzdem: Noch heute werde ich die alten, angebrochenen Dosen wegwerfen.

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