Verbraucher : Clever nach Hause telefonieren Wer sich vor der Abreise informiert, behält

die Kosten für Handy-Anrufe in die Heimat im Griff

Corinna Visser

Die böse Überraschung kommt nach dem Urlaub: Der kurze Anruf vom Strand, um zu erzählen, wie herrlich das Baden im Meer ist, hat ein kleines Vermögen gekostet. Und der Empfang der MMS, mit der die Nachbarn per Bild beweisen wollten, dass es dem Hund bei ihnen gut geht, hat glatt drei Euro gekostet. 88 Prozent der Deutschen besitzen ein Handy – und viele wollen auch im Ausland nicht darauf verzichten. Das Roaming – also das Benutzen von fremden Netzen in anderen Ländern – kann jedoch sehr teuer werden. Verbraucherschützer und Tarifexperten raten deshalb, sich vor dem Urlaub genau über die Preise zu informieren. Zudem gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, wie man sparen kann.

Beim Roaming nutzt der Mobilfunkkunde im Ausland das Netz eines fremden Anbieters. Das geht nur, wenn seine Mobilfunkgesellschaft mit dem ausländischen Anbieter einen Vertrag hat. In den meisten Ländern haben die Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 sogar mehrere Partner. „Informieren Sie sich schon vor der Abreise über den günstigsten Netzbetreiber in ihrem Reiseland“, rät Anke Kirchner, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Verzichten Sie auf die automatische Netzauswahl und stellen Sie den günstigsten Betreiber vor Ort mit dem Handy manuell ein.“ (Eine Übersicht über die Preise für Gespräche aus sechs Reiseländern nach Deutschland zeigt die Tabelle.)

Beim Telefonieren mit dem Handy im Ausland muss man zudem bedenken, dass auch Kosten anfallen, wenn man nur angerufen wird. Der Anrufer weiß ja schließlich nicht, wo sich der Angerufene aufhält. Er zahlt also nur die Gebühren für einen Anruf in das deutsche Mobilfunknetz. Die Weiterleitung ins Ausland muss der Angerufene bezahlen. Teuer kann es besonders dann werden, wenn ein Anruf Sie nicht erreicht und auf die Mailbox umgeleitet wird. Dann zahlen Sie zum einen die Roaming-Kosten für die Weiterleitung ins ausländische Netz und zum anderen dafür, dass der Anruf aus dem Ausland wieder zurück auf die deutsche Mailbox geleitet wird. Dieser Kostenfalle können Sie entgehen, indem Sie die Mailbox ausschalten oder alle Anrufe direkt auf die Mailbox leiten. Im letzten Fall können Sie dann aber im Urlaub nicht mehr direkt angerufen werden.

Einige Netzbetreiber bieten inzwischen einheitliche Auslandstarife an: „T-Mobile weltweit“, „Vodafone-World“ oder „O2 Starmap“. Dann gelten nicht mehr die unterschiedlichen Roaming-Preise der ausländischen Netzbetreiber, sondern einheitliche Tarife für bestimmte Ländergruppen, etwa die EU- Länder. Mit der neuen Roaming-Option „Vodafone-ReiseVersprechen“ gelten in 18 ausländischen Vodafone-Netzen sogar die gleichen Minutenpreise wie zu Hause. Pro Anruf zahlt der Kunde allerdings einen Aufschlag von 75 Cent.

Bei den einheitlichen Auslandstarifen sind die Kosten für den Kunden zwar leichter zu überblicken. „Die Transparenz ist sicher positiv“, sagt Martin Müller von der Internetauskunft Teltarif. Der Nachteil sei, dass die Preise der Einheitstarife in einigen Ländern deutlich über den normalen Roaming-Preisen liegen. „Im Einzelfall kann der Preis sich verdoppeln oder sogar verdreifachen“, sagt Müller. Ob klassisches Roaming oder der Welttarif günstiger sind, muss jeder vor der Reise also selbst entscheiden.

Wenn er noch kann. Vodafone etwa hat alle Kunden auf den neuen „World“- Tarif umgestellt – es sei denn, der Kunde hat dem ausdrücklich widersprochen. Diese Frist ist inzwischen abgelaufen. „Das ist eine Vertragsänderung, der der Kunde zustimmen muss“, sagt Kirchner von der Verbraucherzentrale. „Stimmt der Kunde nicht zu, hat das Unternehmen das Recht, den Vertrag seinerseits zu kündigen.“ Ein Recht, in den alten Tarif zurückzuwechseln oder ihn beim Abschluss eines neuen Vertrages wieder zu buchen, habe der Kunde dagegen nicht, wenn das Unternehmen diesen Tarif nicht mehr anbietet.

Übrigens: Im Ausland sollte man darauf verzichten, sein Heimweh zu lindern, indem man sich Bilder von zu Hause schicken lässt. Das kann nämlich sehr teuer werden. In fast allen Ländern zahlt man für den Empfang von MMS. „Extrem teuer ist zum Beispiel folgende Kombination: Ein O2-Kunde, in Österreich eingebucht bei Telering, dem günstigsten O2-Netzpartner dort fürs Telefonieren und SMS, erhält eine 100 Kilobyte große MMS. Die kostet dann gut drei Euro“, sagt Müller.

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