Crocs : Schuhe unter Schock

Plastikschlappen von Crocs sind weltweit beliebt. Aus Krankenhäusern könnten sie aber bald verschwinden. Denn wenn sich die Schuhe elektrostatisch aufladen, droht Gefahr.

Henrik Mortsiefer
Crocs
Im OP verboten: Crocs. -Foto: dpa

Berlin - Noch ist kein Unfall bekannt, bei dem die Plastikschlappen an den Füßen einer Krankenschwester explodiert sind. Aber in Kliniken und Krankenhäusern hat man von der möglichen Gefahr gehört: die bunten Sandalen des US-Herstellers Crocs, die bei Pflegern und Krankenschwestern beliebt sind, können sich elektrostatisch aufladen. Die aufgebaute Spannung kann sich bei Berührung blitzartig entladen. Passiert so etwas im Operationssaal oder auf der Intensivstation, kann das für Patienten gefährlich werden. Immer mehr Kliniken verbieten deshalb die hippen Schlappen – zuletzt wurden sie aus 13 Wiener Kliniken verbannt.

Auch in der Berliner Charité sind Crocs in sensiblen Bereichen, in denen elektrostatische Spannungen nicht auftreten dürfen, nicht mehr erlaubt, wie es beim Arbeitsschutz heißt. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ Die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften würden eingehalten. Dies gelte nicht nur für den Plastikschuh aus den USA, sondern generell für jedes Schuhwerk. „Wir prüfen Crocs genauso wie die 1000 kleinen Nachahmer.“

In den Helios-Kliniken hofft man, das Problem schon im zentralen Einkauf zu lösen: „Wir verwenden nur Schuhe eines zertifizierten Herstellers für antistatische Schuhe, die für die gesamte Klinik eingekauft werden“, sagt ein Sprecher. Ob es für das Personal eine Verpflichtung zum Tragen der ungefährlichen Schuhe gibt, weiß er allerdings nicht.

Für den US-Hersteller Crocs sind die Gesundheitsbedenken das kleinere Problem – sie setzen aber eine Serie von Hiobsbotschaften fort, die das erfolgsverwöhnte Unternehmen beuteln. Zwar weist eine Sprecherin zurecht darauf hin, dass sich Crocs wie viele andere Kunststoffschuhe elektrostatisch aufladen können. Doch die Aufmerksamkeit, die die Marke weltweit genießt, wird ihr nun zum Verhängnis.

Ende Juli brach die Aktie um 45 Prozent ein, nachdem das Unternehmen bekanntgegeben hatte, dass es in diesem Jahr so gut wie keinen Gewinn machen wird. Beobachter wunderten sich, denn Crocs war vor allem im vergangenen Jahr ein Siegeszug um den Weltball gelungen. Der Umsatz des Unternehmens stieg um 138 Prozent auf 847 Millionen Dollar und der Gewinn sprang sogar um 161 Prozent auf 168 Millionen Dollar. Crocs werden inzwischen in 37 Ländern in mehr als 13 000 Läden verkauft. Mit Taschen und Shirts wollte Crocs den Erfolg der Schlappen noch überbieten. Doch die Expansion ging zu schnell. Zudem drückt nun das schlechtere Konsumklima vor allem in den USA massiv das Geschäft.

An der Börse wird befürchtet, dass die Popularität der Crocs nur eine Mode gewesen sein könnte. Anleger haben den Schuh schon in die Ecke gestellt: Im Oktober 2007 kostete die Aktie noch mehr als 70 Dollar – am Freitag lag der Kurs bei 3,60 Dollar. Henrik Mortsiefer

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