Verbraucher : Das Depot in Ordnung halten

Die Koalition will die Spekulationsfrist abschaffen und die Freibeträge senken – der wahrscheinliche Stichtag: 1. Januar 2007

Henrik Mortsiefer

Sparer und Anleger müssen künftig neu rechnen – wenn es kommt, wie die Großkoalitionäre planen. Ab wann und wie genau der Fiskus in Zukunft bei Zinserträgen, Kursgewinnen und privaten Veräußerungserlösen zugreift, ist allerdings noch unklar. Man stehe noch am Anfang, heißt es in Unionskreisen. Die Neuregelung solle „in dieser Legislaturperiode“ in Angriff genommen werden. So vage steht es auch im Koalitionsvertrag. Als Stichtag sei der 1. Januar 2007 „nicht ausgeschlossen“. Kurzum: Sparer und Anleger sollten sich auf dieses Datum einstellen und sich im Laufe der kommenden zwölf Monate ihre privaten Finanzen ordnen.

SPEKULATIONSFRIST

Spekulationsgewinne aus Wertpapiergeschäften sollen künftig sofort, also zum Zeitpunkt des Verkaufs, steuerpflichtig sein. Die geltende Frist von zwölf Monaten, nach der Wertzuwächse bisher steuerfrei bleiben, soll abgeschafft werden. Im Gespräch ist eine pauschale Steuer von 20 Prozent, die auch für Gewinne auf Immobiliengeschäfte gilt. Offen ist, ob die neue Steuer auch rückwirkend gilt. „Es ist davon auszugehen, dass die Steuer erst bei Wertpapieren greift, die ab 2007 gekauft werden“, sagt Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. Alles andere sei für die Steuerbehörden nicht praktikabel. Freilich könnte eine solche Regelung dazu führen, dass Anleger sich Ende 2006 noch schnell mit Wertpapieren eindecken, um in den Genuss der alten Spekulationsfrist zu kommen. Es käme zu einer steuerlich motivierten Kaufwelle. Anders wäre es, wenn nur die ab 2007 anfallenden Kursgewinne besteuert würden. Dann wäre es aus Anlegersicht sinnvoll, Ende 2006 Aktien zu verkaufen, Gewinne steuerfrei einzunehmen. Die Folge wäre eine Verkaufswelle. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) macht deshalb folgenden Vorschlag: Statt den oft schwer zu ermittelnden wahren Kauftermin einer Aktie oder eines Fonds bei der Gewinnermittlung zu Grunde zu legen, sollten die Preise am Stichtag 1. Janur 2007 festgestellt werden. Der Veräußerungsgewinn würde sich künftig dann aus der Differenz zwischen diesem Stichtagspreis und dem späteren Verkaufspreis ergeben. Alle früheren Kaufpreise wären irrelevant. Steuerexperte Wawro rät weitsichtigen Anlegern, Ende 2006 vorsorglich einen Depotauszug zum 31. Dezember dem Nachlass beizufügen, um nicht in späteren Jahren gegenüber dem Fiskus in Beweisnot zu geraten. Treffen würde die Abschaffung der Spekualtionsfrist auch Zertifikate-Besitzer. Viele dieser Derivate versprechen – bisher – steuerfreie Erträge, wenn sie länger als zwölf Monate gehalten werden.

SPARERFREIBETRAG

Der Sparerfreibetrag für Ledige wird nach den Koalitionsplänen von 1370 auf 750 Euro reduziert und für Verheiratete von 2740 auf 1500 Euro. Rechnet man die Werbungskostenpauschale von 51 Euro hinzu, sollen künftig Zinseinnahmen bis 801 bzw. 1551 Euro steuerfrei bleiben. Betroffen davon sind Aktionärsvertretern zufolge vor allem kleinere Anleger. So können Alleinstehende beispielsweise bei einem Zinssatz von drei Prozent nur noch 26700 Euro steuerfrei anlegen statt bisher 47367 Euro, Verheiratete entsprechend das Doppelte. Steigen die Zinsen, bleibt künftig noch mehr beim Fiskus hängen.

Umstellen müssen sich auch all jene Anleger, die besonders beliebte Sparprodukte gewählt haben: Rentenfonds, Sparbriefe, Bundesschatzbriefe. Besonders Sparbriefe mit jährlich steigendem Zins und Bundesschatzbriefe vom Typ B seien dann „regelrechte Steuerfallen“, warnt der Bankenverband. Bei diesen Anlagen werden die Zinsen über einen Anlagezeitraum von mehreren Jahren gesammelt. Steuerpflichtig werden die Zinseinnahmen samt Zinseszins erst am Ende der Laufzeit. Bei einem Sparerfreibetrag von 750 Euro wäre für einen Teil der Zinsen laut BdB möglicherweise bereits bei Anlagebeträgen von 4000 Euro Einkommensteuer zu zahlen. Anlagen mit jährlichen, möglichst niedrigen Zinsausschüttungen seien für Sparer dann vorteilhafter.

Eltern können überdies ihren Kindern, die noch kein eigenes Einkommen haben, Vermögen übertragen. Jedes Kind verfügt ab seiner Geburt über einen eigenen Sparerfreibetrag. Doch Streit darf später nicht entstehen: Zivilrechtlich gehören die Ersparnisse mit der Übertragung dem Kind. – Am Prozedere der Steuererhebung ändert die Absenkung der Freibeträge nichts. Sparer sollten wie bisher bei der Bank einen Freistellungsantrag einreichen.

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