Verbraucher : Das mobile Wärmepolster

Winfried Konrad

Das Testurteil: 7 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

„Wir dachten vor allem an frierende Frauen,“ sagt Simone Scharfschütze von der Marketingabteilung. Doch ich habe die Hauptzielgruppe für das Akku-Heizkissen HKM 60, das die Firma Beurer zum Preis von circa 50 Euro anbietet, eigenmächtig erweitert. Denn der Reiz, der von einer warmen Sitzgelegenheit ausgeht, beschränkt sich nicht auf weibliche Friernaturen. Klamme Bürostühle, kalte Fahrersitze im Auto, feuchte Balkon-Raucher-Bänke – das wasserresistente Kissen spendet überall Wärme. Allerdings: Frauen mit notorisch kalten Füßen werden das Heizkissen nicht als vollwertigen Ersatz für eine Wärmflasche akzeptieren. So viel habe ich über die Hauptzielgruppe herausgefunden.

Und was sagt die Nebenzielgruppe? Da ich kurzfristig weder als Jäger noch als Angler debütieren wollte, kam nur eine Möglichkeit in Frage, die herstellerseitig gelobte Eignung für Outdoor Aktivitäten zu testen: Ein Hertha-Heimspiel, das alle Voraussetzungen mitbrachte, vor allem nasskalte Witterung. Schnell wurde klar, dass sich die Nebenzielgruppe im Olympiastadion auf ein Problem einstellen muss, das der Hersteller in der Gebrauchsanleitung unerwähnt lässt: die Kommentare der Sitznachbarn.

Ich will nicht näher darauf eingehen, nur so viel: der FCN-Anhänger neben mir scheute sich nicht, Fragen nach meiner sexuellen Orientierung zu stellen und mögliche Parallelen zu Herthas Maskottchen Herthinho zu ziehen. Die Strafe folgte auf dem Fuß: Der „Club“ erwärmte an diesem trüben Samstagnachmittag weder Herz noch Seele seiner Anhänger, geschweige denn andere Organe – von den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit mal abgesehen.

Die zweite Halbzeit war sowieso wieder ein Fall für die Hauptzielgruppe: Denn meine sechsjährige Tribünen- Nachbarin Hannah konnte in der zweiten Spielhälfte durchaus Wärme von unten vertragen – und war voll des Lobes für die behagliche Unterlage. Doch noch vor Abpfiff wurde das größte Manko deutlich. Der Akku der Sitzheizung hielt bei keinem der Selbstversuche die vom Hersteller versprochenen zwei Stunden durch, sodass zumindest klar ist: Für Fußballspiele mit Verlängerung ist das Kissen ungenügend.

Die nur kurze Betriebsdauer und die mit zwölf Stunden extrem lange Ladezeit des Akkus schmälern Komfort und Einsatzmöglichkeit auch außerhalb des Stadions. Selbst nach häufigem, vollständigen Entladen und Wiederaufladen des Akkus verrichtet das Wärmepolster nicht länger als 90 Minuten seinen Dienst. Weiterer Nachteil: Bei extremer Kälte könnte die Heizleistung durchaus besser sein, als es die dreistufige Regulierung zulässt. Und die Warmduscher unter uns Laternenparkern dürfen sich zwar freuen, dass das HKM 60 die fehlende Sitzheizung im Auto ersetzt, da es mit einem Adapter über den Zigarettenanzünder betrieben werden kann. Allerdings kann der Akku nicht im Auto geladen werden. Ideen zur Nutzung sind ansonsten keine Grenzen gesetzt. Das weiß auch der Hersteller und warnt: „Nicht zur Erwärmung von Tieren verwenden.“

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